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Katholikentag in Regensburg : „Brücken bauen“ trotz Kontroversen

99. Katholikentag in Regensburg: Vor dem Dom St.Peter wird eine Bühne aufgebaut. Bild: dpa

Acht Jahre nach dem Besuch von Papst Benedikt ist Regensburg von diesem Mittwoch an Gastgeber des Katholikentags 2014. Sexualethik, Energiewende oder das Zölibat - über die Frage, wie kontrovers es zugehen soll, gab es erste Konflikte.

          Das letzte Großereignis in Regensburg war der Besuch von Papst Benedikt im Jahr 2006. Im Audimax der Universität hielt er seine „Regensburger Rede“, deren islamkritischen Spitzen zu Protesten unter Muslimen in aller Welt führte. Nun blickt die von den Römern als „castra regina“ gegründete Stadt an der Donau dem Beginn des nächsten Großereignisses an diesem Mittwochabend entgegen. Es wird wieder ein katholisches sein: Regensburg ist Gastgeber des Katholikentags 2014. Erwartet werden insgesamt etwa 80.000 Besucher, davon etwa 26.000 Dauerteilnehmer.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Damit ist der Katholikentag (findet in Jahren mit gerader Jahreszahl statt) deutlich kleiner als die evangelischen Kirchentage (finden in Jahren mit ungerader Jahreszahl) und noch einmal viel kleiner als die unregelmäßig stattfindenden Ökumenischen Kirchentage. Für Regensburg mit seinen etwa 130.000 Einwohnern ist das Ereignis dennoch eine logistische Herausforderung, da das Zentrum Ostbayerns zwar über unzählige romanische, gotische und barocke Kirchen verfügt, aber nicht über eine U-Bahn oder ein Messegelände.

          Eröffnet wird die Veranstaltung am Mittwoch, die unter dem Motto „Mit Christus Brücken bauen“ steht, unter anderem durch den Präsidenten des Zentralkomitees Deutscher Katholiken, Alois Glück,  den Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer und Bundespräsident Joachim Gauck. Dazu singen – selbstredend - die Regensburger Domspatzen.

          Einst folgte Ratzinger dem Ruf nach Regensburg

          Der bekannte Knabenchor ist von 1964 bis 1994 von Georg Ratzinger geleitet worden, dem älteren Bruder des emeritierten Papstes Benedikt XVI. Beide sind der Stadt eng verbunden: Als in Tübingen die 68er-Revolten begannen, nahm der junge Dogmatiker Joseph Ratzinger rasch einen Ruf an die neugegründete Universität in Regensburg an, um dort in größerer Ruhe konzentriert arbeiten zu können. Benedikt wohnte in einem Haus im Vorort Pentling. Dort fühlte er sich nach eigenem Bekunden wirklich zu Hause.

          Zu den Pentlingern pflegte er auch bis in die jüngste Zeit ein sehr enges Verhältnis. Die Pentlinger Pfarrgemeinde wurde durch seinen früheren Assistenten und späteren Nachfolger auf dem Regensburger Lehrstuhl, Wolfgang Beinert, priesterlich betreut. Wenn Beinert im Sommer Urlaub nahm, kam Ratzinger, noch als er in Rom Präfekt der Glaubenskongregation war, zurück in sein Haus nach Pentling und betreute während dieser Zeit die Pfarrei – und das, obwohl er mit Beinert in kirchenpolitischen Fragen überkreuz lag.

          Inhaltlich größer waren Benedikts Übereinstimmungen mit dem Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller, der nun Benedikts früheres Amt in der Glaubenskongregation ausübt – wie überhaupt die Fäden zwischen Rom und Regensburg sehr dicht zu sein scheinen: Als Müller nach Rom ging, folgte ihm in Regensburg mit Rudolf Voderholzer der Betreuer der theologischen Werke Benedikts nach.

          In Müllers Zeit in Regensburg traten indes auch erste größere Risse in der ehemals einigermaßen heilen katholischen Welt der Oberpfalz zu Tage. Müller legte sich mit Theologieprofessoren der Universität an, mit widerständigen Priester und passte nach Wahrnehmung vieler Regensburger mit seiner konfrontativen Art nicht so recht in die Stadt, in der es lange sehr beschaulich zuging.

          Freilich hat Regensburg durch seine Hochschulen und Zehntausender neuer Industriearbeitsplätze in den vergangenen Jahren einen Aufschwung wie wohl kaum eine andere Stadt in Deutschland genommen. Trotz dieser Modernisierung und des Zuzugs bleibt das Bistum Regensburg ein ausnehmend katholischer Landstrich: Die 1,2 Millionen Katholiken stellen rund 71 Prozent der Bevölkerung und liegen mit einem Gottesdienstbesuchsquote von 19,2 Prozent immer noch weit vor unter den Bistümern.

          Die nach Regensburg gereisten Katholiken dürften sich also heimisch fühlen. Bis zum Sonntag werden sie über die Zukunft der Kirche, Fragen der Gerechtigkeit und des Glaubens diskutieren. Die Frage wird sein, wie offen die Konflikte über kirchenpolitische Fragen auf dem Katholikentag ausgetragen werden. Über die Besetzung einzelner Podien hatte es in der Vorbereitung Konflikte zwischen den katholischen Laien, den Organisatoren, und dem gastgebenden Bischof gegeben. So hat der Katholikentag mit der Frage, wie kontrovers es zugehen soll, schon seine erste Kontroverse hinter sich.

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