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Bildungsministerium : Karliczek will Wissenschaftler zur Kommunikation zwingen

Karliczek im Bundestag (Archivbild) Bild: dpa

Die Bildungsministerin will, dass Forscher stärker in den Dialog mit der Gesellschaft treten: Die Wissenschaftskommunikation wird Kriterium für die Forschungsförderung. Geisteswissenschaftler sind alarmiert.

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          Als vor zwanzig Jahren das Push-Memorandum veröffentlicht wurde, konnte niemand ahnen, dass seine Forderung zwei Jahrzehnte später von einem Bundesbildungsministerium eingelöst werden. Das ist jetzt geschehen. Damals hatten alle großen Forschungs- und Hochschulorganisationen in dem Memorandum (Push steht für Public Understanding of Science and Humanities) dafür plädiert, Wissenschaftskommunikation als eigenes Reputationsmerkmal für wissenschaftliche Exzellenz zu etablieren und bei der Vergabe von Fördermitteln zu berücksichtigen.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Genau das will Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) bei künftigen Föderbekanntmachungen ihres Ministeriums wahrmachen; Wissenschaftler sollen die Kommunikation ihres Forschungsprojekts, ihrer Methoden und Ergebnisse von Anfang an mitdenken und dafür auch mehr Ressourcen bekommen. Eine feste Marge für Wissenschaftskommunikation soll nicht vorgegeben werden. Mögliche Formen der Wissenschaftskommunikation seien öffentliche Bürgervorlesungen, Science Slams, die Beteiligung von Bürgern beim Sammeln von Daten wie Niederschlagsmengen und Wetterbeobachtungen. „Es ist eines meiner wichtigsten politischen Ziele, den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu intensivieren“, sagte Karliczek bei der Vorstellung eines Grundsatzpapiers zur Wissenschaftskommunikation am Donnerstag in Berlin.

          Mithilfe einer Plattform soll auch die Wirkung von Wissenschaftskommunikation gemessen werden. Außerdem wird es eine Denkwerkstatt „FactoryWisskomm“ geben, die dafür sorgt, dass Wissenschaftskommunikation in den Wissenschaftseinrichtungen zur Chefsache machen soll. Im kommenden Jahr will das Ministerium unter der Beteiligung von Wissenschaftsorganisationen, Wissenschaftsförderern, Wissenschaftsjournalisten Selbstverpflichtungen und konkrete Handlungsempfehlungen erarbeitet werden. Karliczeks Vorstoß richtet sich in erster Linie an die Wissenschaft selbst. „Menschen sind begeisterungsfähig wenn man sie richtig abholt“, sagte Karliczek.

          Mehr Impact-Denken?

          Die Ministerin will einen Kulturwandel in Gang bringen, was solange schwierig ist, als Drittmittel und Publikationen die eigentliche Währung im Wissenschaftssystem sind. Reputationsgewinne lassen sich bisher weder durch Lehre noch durch Wissenschaftskommunikation erzielen. Hinzu kommt, dass Geisteswissenschaftler befürchten, Karliczeks Fördermittel für die Wissenschaftskommunikation könnten dem Impact-Denken der britischen Wissenschaft nahekommen, in der nur noch das zählt, was unmittelbaren volkswirtschaftlichen Nutzen hat.

          Die Leiterin des Alfred-Wegner-Instituts in Bremerhaven und Vorsitzende des Lenkungsausschusses von „Wissenschaft im Dialog“, die Meeresbiologin Antje Boetius berichtete von Berufungsverhandlungen bei denen es hieß, „der war ja im Fernsehen, der kommt nicht in Frage“. Es gehe darum, dem einzelnen klar zu machen, was er von der Wissenschaft habe und inwiefern sie sein Leben betreffe und deshalb neue Formen der analogen und digitalen Kommunikation zu entwickeln. Mit einer digitalen Plattform allein sei es nicht getan, sagte Boetius.

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