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Neues Förderprogramm : Karliczek will Long-Covid besser erforschen lassen

Symptome von Long-Covid besser erforschen: Ministerin Karliczek Bild: dpa

Kopfschmerzen, Atemnot, neurologische Ausfälle: Wer an den Spätfolgen einer Covid-Erkrankung leidet, findet oft nicht ins „alte Leben“ zurück. Hunderttausende könnten betroffen sein.

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          Auch Patienten mit einem milden Krankheitsverlauf einer Corona-Infektion erholen sich oft nur langsam davon. Von den Patienten einer Post-Covid-Ambulanz in Köln klagte jeder achte Patient noch sieben Monate nach Ende der Erkrankung über weitere Symptome, wie es in einer Studie der Universitätsklinik Köln in der Wissenschaftszeitschrift Lancet hieß. Das bedeutet, dass mehrere hunderttausend Menschen vom sogenannten Post-Covid-Syndrom betroffen sind, wenn die Anzahl von 3,5 Millionen Genesenen zugrunde gelegt wird.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hat am Montag in Berlin ein Forschungsförderprogramm zur Erforschung der Spätfolgen einer Corona-Infektion in Höhe von fünf Millionen Euro angekündigt. Sie sprach von rund fünfzig verschiedenen und „sehr individuellen“ Symptomen. Patienten hätten etwa wiederkehrende Kopfschmerzen, litten unter extremer Erschöpfung oder Konzentrationsschwierigkeiten, neurologischen Ausfällen, Geruchs- und Geschmacksstörungen und könnten nicht mehr zur Arbeit gehen. Die genannten Spätfolgen können auch dann auftreten, wenn jemand einen leichten oder schweren Krankheitsverlauf hatte. „Long Covid wird für unser Gesundheitswesen enorme Folgen haben.“

          Patienten finden nicht ins „alte Leben" zurück

          Der Direktor des Instituts für Klinische Molekularbiologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel, Stefan Schreiber, wies darauf hin, dass das Post-Covid-Syndrom nicht eine Verlängerung von Covid ist, sondern ein eigenständiges neues Krankheitsbild mit unterschiedlichsten Symptomen, das sich in enormer Geschwindigkeit ausbreite. Es gebe inzwischen Stichproben mit mehreren 10.000 Patienten, deren DNA-Proben sequenziert werden. Im Kohortennetzwerk „Napkon“, das der Bund mit 30 Millionen Euro fördert, werden seit November 2020 Behandlungsfälle systematisch erfasst und relevante Daten, Bildgebungsdaten und Bioproben von akut erkrankten und genesenen Patienten gesammelt und in einer gemeinsamen Datenbank zusammengeführt, was in anderen Ländern nicht der Fall sei, sagte Schreiber. Insgesamt sollen in verschiedenen Kohorten 36.000 Patienten eingeschlossen sein.

          Die Berliner Immunologin Anett Reißhauer von der Charité berichtete über die Rehabilitation von Covid-Patienten. Bei der Früh-Rehabilitation werden Patienten behandelt, die oft über Wochen und Monaten auf der Intensivstation gelegen haben, unter enormem Muskelschwund leiden und oft nicht einmal die Kraft haben, allein auf der Bettkante zu sitzen. Die meisten dieser Patienten brauchen weiter Sauerstoff. Behandelt werden sie durch multidisziplinäre Teams mit Ergo- und Physiotherapeuten, Ernährungsberatern und anderen. Dazu gibt es einen ambulanten Reha-Bereich. Oft sähen die Ärzte hier Patienten mit einem milden Verlauf, die trotzdem über Monate nicht in ihr „altes Leben“ zurückkommen könnten, sagte Reißhauer. Sie zu behandeln koste enorme personelle Ressourcen.

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