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Lauterbach will Empfehlung : Eine Impfung geht noch, oder nicht?

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) bei einem Pressetermin in Berlin im Juni 2022 Bild: dpa

Der Gesundheitsminister hält eine vierte Impfung für alle für sinnvoll, Fachleute hingegen nicht. Und mit der Kassenärztlichen Vereinigung gibt es auch noch Ärger wegen der Bürgertests.

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          An der vierten Impfung scheiden sich nicht nur in der Ampelkoalition die Geister. Sie stößt auch auf heftige Kritik von Fachleuten. Bisher wird die vierte Corona-Impfung laut Ständiger Impfkommission (STIKO) nur Menschen über 70 und einigen Risikogruppen empfohlen. Nun forderte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) eine klare Empfehlung für alle Altersgruppen. Spätestens, wenn die neuen, an die Omikron-Variante angepassten Impfstoffe da seien, „sollte es klare Ansagen auch für die unter 60-Jährigen geben“, sagte Lauterbach den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.
          Kim Björn Becker
          Redakteur in der Politik.

          Obwohl sich Lauterbach und der Vorsitzende der STIKO, Thomas Mertens, gerade im Juli auf die Einrichtung einer Pandemie-Arbeitsgruppe im Ministerium zur besseren Abstimmung geäußert hatten, war er mit seiner anderslautenden Auffassung an die Öffentlichkeit getreten.

          Auf Anfrage der F.A.Z. sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Sonntag zu den STIKO-Empfehlungen: „Der Minister ist in regelmäßigem guten Austausch mit der STIKO.“ Seine Aussagen seien so zu verstehen, dass die STIKO in Richtung Herbst und im Hinblick auf die neuen Impfstoffe das Thema aufgreife und entsprechende Impfaussagen machen werde. Die Gespräche darüber seien im Gange. Dennoch meinte das Ministerium versichern zu müssen: „Die STIKO ist und bleibt ein unabhängiges Gremium.“ Lauterbachs Äußerungen waren wenige Tage nach der Vorstellung des Entwurfs für das neue Infektionsschutzgesetz auf scharfe Kritik gestoßen.

          Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) hält den Entwurf für nicht zustimmungsfähig. Er stößt sich an den geplanten Regeln zum Besuch von Restaurants, Bars und Kultureinrichtungen. Dort sollen die Länder das Tragen einer FFP2-Maske oder einen aktuellen Test vorschreiben können – außer, die Besucher sind in den vergangenen drei Monaten genesen oder gegen Corona geimpft worden.„Ich werde jedenfalls vehement dafür werben, dass sich politische Entscheidungsträger nicht dazu aufschwingen, medizinische Vorgaben zu machen“, sagte er.

          „Herr Lauterbach verabschiedet sich von der Wissenschaft“

          Der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, sagte der Zeitung „Bild am Sonntag“: „Wir dürfen nicht den Eindruck erwecken, dass sich jeder alle drei Monate impfen lassen sollte.“ Eine vierte Impfung halte er bei gesunden Menschen unter 70 Jahren für unnötig.

          Der Vizepräsident der Europäischen Föderation der Immunologischen Fachgesellschaften, An­dreas Radbruch, kritisierte: „Herr Lauterbach verabschiedet sich von der Wissenschaft.“ Immer mit dem gleichen Impfstoff weiterzuimpfen helfe überhaupt nicht gegen die virulente Infektionslage. Vielmehr verweisen Fachleute darauf, dass die gleiche Impfung den Immunstatus sogar schwächen könne. Auch Lauterbach selbst habe die vierte Impfung offensichtlich nicht gegen seine aktuelle Infektion geschützt. Niedergelassene Ärzte berichten außerdem von immer mehr deutlichen Impfwirkungen.

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