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Lauterbach warnt : „Diese Welle wird sich so schnell nicht von alleine begrenzen“

Karl Lauterbach (SPD) und Lothar Wieler am Freitag in Berlin Bild: Reuters

In Corona-Zeiten ist regelmäßiges Lüften geboten – trotz der hohen Heizkosten. Gesundheitsminister Lauterbach und RKI-Chef Wieler wollen „verhindern, dass die Bevölkerung mit Krisen überwältigt wird.“

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          Das Bundesgesundheitsministerium und das Robert-Koch-Institut (RKI) wollen vermeiden, dass sich die Corona- und die Energiekrise in Deutschland gegenseitig verstärken. Trotz der hohen Kosten zum Heizen sollten Innenräume in Herbst und Winter regelmäßig gelüftet werden, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Freitag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) in Berlin. Stoßlüftungen seien zum Luftaustausch besser als gekippte Fenster, „dabei geht auch viel weniger Wärme verloren“, riet der RKI-Chef. Minister Lauterbach ergänzte: „Wir müssen verhindern, dass die Bevölkerung mit Krisen überwältigt wird.“

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Der am Donnerstag von der Bundesregierung vorgestellte Abwehrschirm gegen die Auswirkungen des Ukrainekriegs entschärfe die Energiekrise wesentlich. Jetzt müsse es darum gehen, die Corona-Bedrohung in der kalten Jahreszeit zu minimieren. Dazu diene das neue Infektionsschutzgesetz, das an diesem Samstag in Kraft tritt. Lauterbach und Wieler waren sich einig, dass steigende Fallzahlen zu erwarten seien, dass Deutschland aber noch nie so gut auf eine Ansteckungswelle vorbereitet gewesen sei wie derzeit. „Andere Krisen sind wichtiger“, sagte der Minister. „Es ist an uns, dafür zu sorgen, dass das auch so bleibt.“

          Deutschland steht seiner Ansicht nach am Beginn einer neuen Herbst- und Winterwelle von Corona-Infektionen. Diese zeige sich schon in anderen Ländern wie den Niederlanden, Großbritannien, Dänemark, Belgien oder Frankreich. Die vorherrschende Omikron-Variante BA.5 verbreite sich sehr schnell. Der R-Wert, der anzeigt, wie viele Personen ein Infizierter ansteckt, sei mit 1,4 sehr hoch. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz habe auf 400 Neuansteckungen je 100.000 Einwohner zugenommen. Ein vierstelliger Wert sei „in nicht allzu ferner Zeit“ zu erwarten, so Lauterbach.

          Zu diesen Risiken kämen die anderen Atemwegsleiden hinzu. Der Anstieg sei in diesem Herbst besonders hoch, erläuterte Wieler. In der vergangenen Woche seien 7,7 Millionen akute Erkrankungen festgestellt worden, sie beträfen also fast jeden zehnten Einwohner. Als besonders anfällig gelten derzeit Kinder und junge Erwachsene. Vorherrschend seien Rhinoviren, gefolgt von Sars-Cov2 und Influenza. Wieler rief dazu auf, sich gegen Grippe impfen zu lassen, vor allem Personen im Alter von 60 und mehr Jahren oder Risikogruppen. Die Impfung sei zusammen mit der Corona-Injektion möglich. Der Anstieg der Atemwegserkrankungen könne am verstärkten Ansteckungsschutz in der Corona-Pandemie liegen, wodurch möglicherweise eine Immunisierung gegen andere Erreger ausgeblieben sei und es daher einen Nachholeffekt gebe.

          Um die Corona-Welle beherrschbar zu halten, startet die Regierung in kurzer Zeit eine Impfkampagne. Derzeit lassen sich nur 60.000 Personen am Tag gegen Covid-19 impfen. Lauterbach bezeichnete das als viel zu wenig. Bei 75 Prozent der über Sechzigjährigen fehle die vierte Impfung. Diese „nicht akzeptable“ Lücke bestehe, obgleich die Auffrischung von der Ständigen Impfkommission STIKO empfohlen sei, obgleich es ausreichend an die neuen Omikron-Varianten angepasste Vakzine gebe und obgleich der Nutzen eines zusätzlichen „Boosters“ wissenschaftlich erwiesen sei: Die Gefahr, an Covid zu versterben, sinke nach der vierten Impfung im Vergleich zur dritten um 90 Prozent. „Es macht also einen Riesenunterschied, ob man drei- oder viermal geimpft ist“, so Lauterbach. „Das wird zu wenig kommuniziert.“

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