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SPD-Gesundheitsexperte warnt : Lockdown möglicherweise schon in wenigen Wochen

  • Aktualisiert am

SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach Bild: dpa

Die jetzigen Einschränkungen reichten nicht aus, um einen deutlichen Anstieg der Todeszahlen zu verhindern, sagt Karl Lauterbach laut einem Bericht. Er fordert mehr Homeoffice und eine Aufteilung von Schulklassen. Auch der Außenhandelsverband warnt vor einem neuen Lockdown.

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          Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat eindringlich vor einem neuen Lockdown bereits in wenigen Wochen gewarnt und Bund und Länder zum Beschluss von weitergehenden Maßnahmen aufgefordert. „Wenn es uns in den kommenden zwei bis drei Wochen nicht gelingt, die persönlichen Kontakte zu beschränken, werden die Zahlen in wenigen Wochen so stark gestiegen sein, dass uns nur noch ein neuer Lockdown bleibt“, sagte Lauterbach zur „Bild am Sonntag“. „Die Einschränkungen, die jetzt beschlossen wurden, reichen leider nicht aus, um überfüllte Intensivstationen und einen deutlichen Anstieg der Todeszahlen im Dezember zu verhindern. Da müssen wir nachjustieren.“

          Lauterbach fordert eine deutlich Ausweitung des Homeoffice und geteilte Klassen in den Schulen. „Wenn wir nicht wollen, dass die Schulen mit regelmäßigem Schulausfall auch noch zu Hotspots werden, sollten die Schulklassen jetzt aufgeteilt werden in Vormittags- und Nachmittagsunterricht“, sagte er. Jeder Kontakt, egal wo, könne kontaminiert sein, so Lauterbach weiter. „Es reicht allein nicht mehr, nur vorsichtig zu sein und die AHA+L-Regeln einzuhalten.“

          Der SPD-Gesundheitsexperte hat zudem den Koalitionspartner CDU ermahnt, den für Anfang Dezember geplanten Parteitag mit 1001 Delegierten abzusagen: „Die CDU kann nicht gleichzeitig für das Verbot kleinerer Veranstaltungen eintreten und dann mehr als 1000 Menschen an einem Ort versammeln. Politik hat eine Vorbildfunktion, deshalb sollte die CDU den Parteitag absagen.“

          „Je länger wir warten, desto größer der Schaden“

          Auch der Präsident des Außenhandelsverbandes (BGA), Anton Börner, fordert härtere Maßnahmen zur Corona-Bekämpfung. „Wir müssen unter allen Umständen die Pandemie unter Kontrolle halten, um einen erneuten Shutdown vermeiden zu können“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Das öffentliche Leben müsse noch viel stärker heruntergefahren werden. „Je länger wir damit warten, umso größer wird der Schaden für die Gesundheit der Menschen und auch für die Wirtschaft. Lieber jetzt entschlossen handeln, auch wenn es schmerzhaft ist, damit uns nicht die Zeit davonrennt.“

          Merkel wiederholt Mahnung per Videopodcast

          Mit einem ungewöhnlichen Schritt hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) abermals an die Bürger appelliert, bei der Eindämmung der Corona-Pandemie mitzuhelfen. In ihrem samstäglichen Videopodcast spielte sie nach ein paar einleitenden Worten noch einmal ihren viel diskutierten Podcast vom vergangenen Samstag ab. Die Pandemielage habe sich noch weiterzugespitzt. „Für mich gilt das, was ich Ihnen letzte Woche gesagt habe, noch Wort für Wort (...). Und so folgt jetzt noch einmal der Podcast vom vergangenen Samstag“, so die Kanzlerin.

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          Das Robert Koch-Institut meldete am Samstagmorgen 14.714 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages, so viele wie noch nie seit Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland. Da es aber am Donnerstag zeitweise zu Datenlücken bei der Übermittlung von Infektionszahlen gekommen war, könnten in der jüngsten Zahl der Neuinfektionen entsprechende Nachmeldungen enthalten sein. Zum Zeitpunkt des letzten Merkel-Videos vor einer Woche lag die Zahl noch bei rund 7800. Merkel hatte bereits Ende September vorhergesagt, wenn sich die Zahlen wöchentlich so weiterentwickelten, werde es zu Weihnachten 19 200 Neuinfektionen am Tag geben.

          Krisenstabsleiter: „Skeptisch, was an Weihnachten gehen wird“

          Staatskanzlei-Chefs und Krisenstabsleiter mehrerer Länder warnten in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ davor, dass Familien an Heiligabend nicht wie gewohnt zusammen feiern könnten, falls die Infektionszahlen weiter steigen. Hessens Staatskanzleichef Axel Wintermeyer sagte dem Blatt, das Fest werde sich in diesem Fall „in einem engeren Rahmen abspielen müssen“. Sein Saar-Kollege Henrik Eitel hob hervor: „Schlimmstenfalls werden Familien ihre Besuche an den Weihnachtsfeiertagen aufteilen müssen“, etwa auf verschiedene Tage, wenn erwachsene Geschwister ihre Eltern nur getrennt besuchen können. Der Leiter des niedersächsischen Krisenstabes, Heiger Scholz, wurde mit den Worten zitiert: „Ich werde immer skeptischer, was an Weihnachten gehen wird und was nicht.“

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