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Lauterbach auf Kongress : Im Zweifel Politiker

  • -Aktualisiert am

Gesundheitsminister Karl Lauterbach am 1. Juli in Berlin Bild: Reuters

Neben einigen anderen Politikern diskutiert Karl Lauterbach über Politik als Beruf. Wie er „hart in der Sache“ mit der FDP über Corona-Maßnahmen streitet und wieso er als Mann der Wissenschaft manchmal „vor der Zeit“ sei.

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          Wo Karl Lauterbach ist, sind auch die BKA-Beamten, die ihn schützen. Mindestens sechs waren es an diesem Samstagmittag. Draußen rief eine Handvoll Demonstranten bei der Ankunft des Bundesgesundheitsministers an der Frankfurter Universität „Lauterbach muss weg“. Drinnen, wo er auf einem Demokratiekongress der Hertie Stiftung über den Beruf des Politikers sprechen sollte, fragte ihn ein Mann in gesittetem Tonfall, ob man als Politiker die Wahrheit sagen könne – und erinnerte an ein Zitat Lauterbachs, wo dieser das Gegenteil sagte – allerdings ironisch, wie der betonte. „Bei Spitzenpolitikern sucht man ständig nach einer Möglichkeit, ihnen etwas falsch auszulegen“, sagte der SPD-Politiker.

          Timo Steppat
          Redakteur in der Politik.

          So kam er auf die hitzige Debatte über die Verkürzung des Genesenenstatus zu sprechen, für die er Anfang des Jahres heftig gescholten wurde. Heute wisse jeder, so Lauterbach, dass das richtig gewesen sei, aber keiner der damaligen Kritiker entschuldige sich bei ihm. „Wenn man evidenzbasiert vorgeht, ist man manchmal vor der Zeit.”

          Evidenzbasiert. Eines der Worte, die er oft verwendet, und die für seine chamäleonhaften Wechsel zwischen Wissenschaftskommunikator und Minister stehen. Im Zweifel sei er jedoch immer Politiker, sagte Lauterbach, das habe auch für die Zeit gegolten, als er noch einfacher Abgeordneter war. Gleichwohl grenzte er sich von anderen Politikern ab: Kaum jemand arbeite so eng mit Wissenschaftlern zusammen wie er, sagte Lauterbach.

          Austausch mit Wissenschaftlern

          Nicht nur mit deutschen Forscher wie Christian Drosten tausche er sich aus, sondern auch mit vielen amerikanischen. „Wenn ich jetzt eine Impfkampagne für den Herbst vorbereite, weiß ich deshalb schon, was die angepassten Impfstoffe leisten können“, sagte Lauterbach. Seine Botschaft: Mehr Wissenschaftler müssten Politiker werden – so wie er. Klingt fast wie die Forderung Platons nach einer Philosophenherrschaft. Die Qualität der Politik würde das nachhaltig verbessern, sagte er.

          Natürlich kam der Gesundheitsminister auch auf die Verhandlungen zu sprechen, die er aktuell mit Justizminister Marco Buschmann von der FDP über die Reform des Infektionsschutzgesetzes führt. Die Position der FDP, die auf die Verhältnismäßigkeit von Maßnahmen pocht, sei „legitim“, sagte Lauterbach. Wer nicht bereit sei, Kompromisse zu schließen, sei in der Politik falsch, bekundete er.

          Man könne sich lange mit wissenschaftlichen Studien beschäftigen, dann gehe es aber im nächsten Schritt darum Entscheidungen zu treffen, für die es Mehrheiten gebe. „Sehr hart in der Sache, aber freundschaftlich im Ton“ verhandele er, sagte er von sich. „Dass wir im Herbst ganz andere Regeln bekommen, ist ganz klar“, sagte Lauterbach in den Hörsaal hinein, in dem schätzungsweise zwei Drittel der Besucher keine Maske trugen.

          Paul Nolte und Ricarda Lang diskutieren

          Am Morgen sollten sich der Historiker Paul Nolte und die Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang ein Streitgespräch über Repräsentation liefern. Nur der Streit blieb aus. Lang, die sich für mehr Migranten, Frauen und Junge im Parlament einsetzt, sagte: „Ich bin der Überzeugung, dass Männer gute Politik für Frauen und ältere Menschen für Junge machen können.“ Nolte nickte. Sie halte es aber für wichtig, dass in der Politik junge Menschen wie sie gebe. „Wiedererkennung sorgt für Identifikation.“ Und natürlich sei es ihr Ziel, die Interessen junger Menschen in den Mittelpunkt zu rücken.

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