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Karl Lauterbach : Der ungeliebte Experte

Ohne Fliege: Karl Lauterbach im März in einer Talkshow Bild: ZDF/Svea Pietschmann

Karl Lauterbach hat in der SPD kein Amt und keine Verantwortung. Trotzdem ist er in der Corona-Krise das Gesicht seiner Partei. Wie macht er das?

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          Wo immer derzeit in Deutschland ein Scheinwerfer angeht, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß, dass Karl Lauterbach schon unter ihm stand, damit das Licht auf ihn fällt. Wobei, allzu lange kann er da nicht gestanden haben, denn bevor er im Fernsehstudio von, sagen wir, „Anne Will“ war, war er ja in dem von „Markus Lanz“. Oder von „Maybrit Illner“. Oder er hat ein Radiointerview gegeben. Er erklärt das Virus, er erklärt, was Aerosole sind, er verteidigte den von der Bundesregierung verhängten Lockdown, obwohl er noch vor einigen Monaten der größte Kritiker der Koalition war. Aber seit Beginn der Corona-Krise in Deutschland ist Lauterbach das Gesicht der SPD, zumindest neben dem von Olaf Scholz.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Im Unterschied zum Bundesfinanzminister, der Milliarden mit der Bazooka verteilt, ist Lauterbach einfacher Bundestagsabgeordneter. Er hat weder Geld noch Truppen. Es gibt in der SPD also viele, die deutlich mehr Macht haben als er. Franziska Giffey und Hubertus Heil zum Beispiel. Oder Stephan Weil. Sie werden dann als Bundesfamilienministerin, Bundesarbeitsminister oder niedersächsischer Ministerpräsident angekündigt. Lauterbach aber ist der Gesundheitsexperte. Professor Doktor Doktor. Jeden Tag, häufig vorm Ins-Bett-Gehen, liest er neue Studien, aus Amerika oder aus Japan. Das hat er schon immer gemacht, aber jetzt hat er mehr Zeit, weil viele Termine im Wahlkreis wegfallen. Wenn er in einer Veröffentlichung etwas nicht versteht, ruft er seine Kollegen in Deutschland oder Amerika an und lässt es sich erklären. Lauterbach schwebt über den Dingen.

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