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Missbrauch im Erzbistum Köln : Wie Kardinal Woelki das Vertrauen verlor

Erzbischof von Köln: Rainer Maria Woelki, Kardinal der römisch-katholischen Kirche Bild: dpa

Das Missbrauchsgutachten sollte den Konflikt zwischen Kardinal Woelki und den Gläubigen in seinem Erzbistum entschärfen. Aber das Gegenteil trat ein. Der Graben wurde immer tiefer. Die F.A.Z. dokumentiert die wichtigsten Stationen.

          8 Min.

          18. März 2021

          Thomas Jansen
          Redakteur in der Politik.

          Nach der Vorstellung des Missbrauchsgutachtens der Kanzlei Gercke Wollschläger suspendiert Kardinal Woelki Weihbischof Dominikus Schwaderlapp und den Leiter des Kölner Kirchengerichts, Günter Assenmacher. Beiden wurden Pflichtverletzungen im Umgang mit Missbrauchsfällen nachgewiesen. Woelki, dem selbst keine Pflichtverletzung attestiert wird, sagt mit Blick auf Rücktrittsforderungen in der Pressekonferenz: „Die moralische Verantwortung einfach mitnehmen und gehen zum Schutz des Ansehens von Bischofsamt und Kirche – das ist mir zu einfach. Und in meinen Augen ist es auch falsch.“ Er werde in Zukunft, „alles dafür tun, dass möglichst keine Fehler mehr passieren können“.

          23. März

          Der Kölner Generalvikar Hofmann stellt „erste Maßnahmen und Konsequenzen als Reaktion“ auf das Missbrauchsgutachten vor. Die meisten davon sind jedoch lange überfällig oder längst vereinbart. Dazu gehören ein „Hinweisgebersystem“, in dem Personen anonym Beschwerden oder Hinweise in Bezug auf sexuellen Missbrauch melden können und eine „Unabhängige Aufarbeitungskommission“. Ein „Hinweisgebersystem“ forderte der Vatikan schon 2019, auf die Einrichtung „Unabhängiger Aufarbeitungskommissionen“ hatten sich die Bistümer schon im April 2020 mit dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung verständigt. Verbessert werden soll die Kontrolle der Auflagen für geistliche Sexualstraftäter. Wer sich nicht an Auflagen halte, müsse mit Sanktionen rechnen. Neu ist, dass nun auch im Erzbistum Köln mehr Frauen an der Ausbildung der Priester beteiligt werden sollen.

          30. März

          Der Betroffenenbeirat der Deutschen Bischofskonferenz wirft Kardinal Woelki eine „mediale Inszenierung“ der Veröffentlichung des Missbrauchsgutachtens vor. Diese habe den Blick der Betroffenen unberücksichtigt gelassen und gezeigt, „dass den Kirchenverantwortlichen immer noch nicht vollumfänglich bewusst ist oder sie nicht wahrhaben wollen, welche weitreichenden und verheerenden Folgen die Taten selbst und das Vertuschen für das Leben der Opfer bedeuten“, schreibt der Beirat in einer Erklärung. Die Beschränkung des Gutachtens auf eine rein strafrechtliche Betrachtung lasse „Zweifel an einem kirchlichen Willen zu einer umfassenden und grundlegenden Aufarbeitung aufkommen“.

          23. April

          Der Diözesanrat, das oberste Laiengremium der Katholiken im Erzbistum Köln, bekundet Kardinal Woelki sein Misstrauen: „In der Phase, in der wir uns gerade befinden, können wir uns nicht sicher sein, ob der Kardinal sein Amt so ausführt, dass eine Perspektive entsteht“, teilt das Gremium nach einem Treffen zwischen dem Vorstand und Woelki mit. Der Diözesanrat zweifle daran, dass der Erzbischof „uns normale Christinnen und Christen“ noch in den Gemeinden haben wolle. Das Gremium unter Vorsitz des Solinger Oberbürgermeisters Tim Kurzbach (SPD) hatte schon im Januar die Zusammenarbeit mit der Bistumsleitung ausgesetzt und dies mit der „ungeklärten Missbrauchsaufarbeitung“ begründet.

          27. April

          Durch einen Bericht der Zeitung „Bild“ wird bekannt, dass Kardinal Woelki im Jahr 2017 den Pfarrer D. zum stellvertretenden Stadtdechanten von Düsseldorf befördert hat, obwohl ihm bekannt war, dass D. 2001 mit einem 17 Jahre alten Prostituierten in der Nähe des Kölner Hauptbahnhofs intim geworden war. Später veröffentlicht die Zeitung ein Schreiben der Polizei, in dem das Erzbistum vor einer Wiederverwendung D.s in der Seelsorge gewarnt wird. Dieser Brief war Woelki nach einer nicht zu überprüfenden Darstellung der Pressestelle des Erzbistums zum Zeitpunkt der Beförderung nicht bekannt, ebenso wenig wie weitere Vorwürfe gegen D., von denen das Erzbistum in den folgenden Jahren erfahren hatte.

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