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Kardinal Meisner kritisiert Bankmanager : „Gehandelt ohne Rücksichten“

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Erzbischof Meisner: „Verlorenes Ethos erschütternd” Bild: picture-alliance/ dpa

Der Kölner Kardinal Meisner kritisiert angesichts der Finanzkrise fehlendes Ethos in der Bankbranche. Es sei erschütternd, dass „Leute mit Dingen Handel treiben, die nicht existieren“, sagte der Erzbischof, der vor seinem Theologiestudium eine Lehre als Bankkaufmann absolvierte.

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          Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat mit Blick auf die globale Finanzkrise die Bankmanager kritisiert. „Ich hätte nie gedacht, dass das Ansehen dieses Standes einmal so in Misskredit geraten kann“, sagte er in einem Interview der „Kölnischen Rundschau“ aus Anlass seines 75. Geburtstages, den Meisner am zweiten Weihnachtstag feiert.

          Der Banker sei Treuhänder für Geld, das ihm nicht gehöre und mit dem er arbeiten müsse, fügte der Erzbischof hinzu, der vor seinem Theologiestudium eine Lehre als Bankkaufmann absolvierte. „Dass dieses Ethos so verloren gehen kann, dass Leute mit Dingen Handel treiben, die nicht existieren - das ist erschütternd.“ Als Gegenmittel empfahl Meisner ein Bewusstsein dafür, „dass man weiß, wer der Mensch ist“. In keiner Branche dürften Menschen „einfach ihren Job durchziehen, ohne weitere Rücksichten“.

          Erzbischof Marx: „Verhältnis von Markt und Staat korrigieren“

          Zuvor hatte sich in der F.A.Z auch der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, zu Wort gemeldet. Er sei in Anhänger der Marktwirtschaft. Aber der Wettbewerb sei „eine Kulturpflanze“, die gestaltet werden müsse. Eine Marktwirtschaft könne ohne Risiko nicht funktionieren. Aber ein Kapitalismus ohne Rahmenordnung schädige das Gemeinwohl. Dies sei nicht nur „eine Frage der Moral, sondern in erster Linie eine klare ökonomische Erkenntnis, die durch Erfahrung zu überprüfen ist“.

          Reinhard Marx

          Darum brauche es weltweit wie in Deutschland Regelungen für Finanzströme, Arbeitnehmerrechte und das wirtschaftliche Verhalten: „Das ist ein klarer Auftrag für die Politiker. Es ist naiv und unverantwortlich, zu glauben, dass eine Liberalisierung aller Märkte zum Sieg des Guten führt“.

          Die Finanzkrise biete eine Chance, das Verhältnis von Markt und Staat zu korrigieren, sagt Erzbischof Marx. Genauso wichtig wie marktkonforme Regeln sei es, dass Wirtschaftsakteure ihr Handeln an ethischen Prinzipien ausrichteten. Die ordnungspolitische Gestaltung der Globalisierung hält er für eine wesentliche Aufgabe. (Siehe auch: Erzbischof Reinhard Marx: „Eigeninteresse ist sittlich nicht zu beanstanden“)

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