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Keine zweite Amtszeit : Kardinal Marx gibt Vorsitz der Bischofskonferenz ab

Reinhard Kardinal Marx Bild: dpa

Reinhard Kardinal Marx strebt keine zweite Amtszeit als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz an. Viele Bischöfe hatten seinen Führungsstil kritisiert. Der Kreis potentieller Nachfolger ist groß.

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          Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), der Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx, steht nicht für eine weitere Amtszeit zur Verfügung. Wie die DBK am Dienstagvormittag bekanntgab, hat Marx diesen Entschluss seinen Amtsbrüdern schriftlich mitgeteilt. Damit bleiben den annähernd siebzig Mitgliedern der Bischofskonferenz drei Wochen, um sich auf die Wahl eines neuen Vorsitzenden vorzubereiten. 

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Turnusgemäß findet die Frühjahrs-Vollversammlung der DBK in der ersten Woche der Fastenzeit statt. Marxens Amtszeit lief nach sechs Jahren ebenso ab wie die des Sekretärs der DBK, Hans Langendörfer. Eine Wiederwahl wäre nach den Statuten möglich gewesen. Indes hatte in den vergangenen Monaten die Kritik an der Amtsführung Marxens als Vorsitzender wie auch an der Arbeit des Sekretariates über alle Strömungen innerhalb der DBK hinweg ein Ausmaß erreicht, das eine reibungslose Wiederwahl gefährdete – ungeachtet des Umstands, dass Marx einer der engsten Mitarbeiter von Papst Franziskus ist und den Reformdialog Synodaler Weg entscheidend vorangebracht hat. 

          Schwerer wogen indes der Unmut über Marxens herrisch-kommentierende Art, die Konferenz zu leiten. Zu dem verbreiteten Wunsch, einen Moderator an der Spitze der DBK zu sehen, gesellte sich indes seit Herbst 2018 auch die Kritik an dem Umgang mit dem Thema Missbrauch. Die strategisch miserabel vorbereitete Rezeption der sogenannten MHG-Studie über sexuelle Gewalt im Raum der Kirche geriet zu einem kommunikativen Debakel sondergleichen und ließ die Zahl der Austritte aus der katholischen Kirche in Deutschland im vergangenen Jahr wohl auf Rekordniveau steigen. 

          Marx selbst begründete seinen Rückzug von dem Amt, in das er 2014 als Nachfolger des Freiburger Erzbischofs Robert Zollitsch gewählt worden war, mit seinem Alter sowie dem Wunsch, stärker in seinem Erzbistum präsent zu sein. Hätte Marx gesundheitlich eine zweite Amtszeit durchgestanden, wäre er an deren Ende 72 Jahre alt. Diesen Hinweis verband Marx in seinem Schreiben an die Bischöfe mit dem Wunsch nach einem Generationswechsel.

          Sein Stellvertreter im Vorsitz der Bischofskonferenz, der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode, kommt diesem Kalkül zufolge nicht als Nachfolger in Frage. Bode wurde 1951 geboren und ist damit zwei Jahre älter als Marx. Der Blick richtet sich nun auf jene Bischöfe, die zwischen 50 und 60 Jahre alt sind, sich einige Jahre in der Leitung einer Diözese bewährt haben, zwischen den verschiedenen Strömungen innerhalb der Bischofskonferenz ausgleichen können und derart mehrheitsfähig sind, dass sie zwei Drittel der Mitglieder der DBK hinter sich vereinigen können. 

          Alle vier Kriterien gleichzeitig erfüllt derzeit niemand. Darum ist der Kreis der potentiellen Nachfolger recht groß. Zu ihm zählen fast ein Drittel der 27 Ortsbischöfe von dem Essener Bischof Franz-Josef Overbeck über den Mainzer Bischof Peter Kohlgraf, den Limburger Bischof Georg Bätzing, den Magdeburger Bischof Gerhard Feige, den Speyrer Bischof Karl-Heinz Wiesemann bis zum Freiburger Erzbischof Stefan Burger. Der Bischof von Hildesheim, Heiner Wilmer, ist zwar nicht einmal zwei Jahre im Amt. Jedoch war er zuvor Generaloberer einen weltweit aktiven Ordensgemeinschaft.

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