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Kanzlerkandidatur : Merkels Zögern und Zaudern

  • -Aktualisiert am

Angela Merkel wehrt Fragen nach ihrer politischen Zukunft noch ab. Bild: dpa

Angela Merkel schweigt zu ihrer politischen Zukunft. Ihr Rückhalt in der eigenen Partei ist zwar groß, aber eines wird die CDU Merkel auf Dauer nicht durchgehen lassen.

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          Abermals hat Angela Merkel eine Gelegenheit ungenutzt verstreichen lassen. Auf dem Landesparteitag der CDU ihres Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern, mithin „ihrer“ Basis, hätte die CDU-Vorsitzende mitteilen können, dass sie abermals für den Parteivorsitz und damit – wahrscheinlich – auch für eine weitere Kanzlerkandidatur zur Verfügung stehe. Der Landesvorstand hatte eine Brücke gebaut – mit dem Beschluss, Merkel „erneut als Bundesvorsitzende der CDU Deutschlands zu nominieren“. Merkel hätte sagen können, wenn die Partei das wolle, werde sie bereit sein. Sie tat es nicht. Sie hätte auch sagen können, dass sie sich über das Vertrauen freue. Auch das tat sie nicht. Hätte, hätte...

          Warum Merkel eine Festlegung scheut wie der Teufel das Weihwasser, erschließt sich nicht mehr. Es sei denn, die CDU-Vorsitzende denkt (immer noch!) über das nach, was die meisten in den Unionsparteien für schier undenkbar halten. Machttaktische Kalküle können es nicht sein. Sollte der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer, ihr Freund und Feind, die Mitteilung Merkels, sie wolle es noch einmal wissen, etwa mit der Bemerkung konterkarieren, darüber müsse noch einmal beratschlagt und später entschieden werden? Undenkbar. Sollten die Merkel-Kritiker in der CDU auf dem Parteitag Anfang Dezember ihr zuhauf von der Fahne gehen? Ausgeschlossen. Eigentlich.

          Selbst der schärfste Merkel-Gegner in der Union will nicht dafür verantwortlich gemacht werden, mittels einer Verweigerung bei der Wahl zur Parteivorsitzenden die Bundeskanzlerin aus dem Amt getrieben zu haben. Oder will Merkel etwa abwarten, bis die Entscheidung über die Nachfolge von Bundespräsident Joachim Gauck gefallen ist? Das wäre ein gefährliches Spiel, denn es wird womöglich erst im kommenden Februar entschieden. Merkel würde sich von Dritten abhängig machen. Von der SPD etwa, die zunehmend auf Außenminister Frank-Walter Steinmeier setzt. Oder von den Grünen, auf die in dieser Sache kein Verlass ist.

          Parteimitglieder und ihre Mandatsträger sehen ihrer Führung vieles nach. Eines aber lassen sie auf Dauer nicht durchgehen: Zögern und Zaudern. In der Union wird der Unmut freundlich formuliert. Noch. Die vielen Aufforderungen, Merkel möge sich alsbald entscheiden, zeigen aber: Viel Zeit bleibt nicht.

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