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Kanzlerkandidatur : Grüne gegen „virtuelle Debatten“

Claudia Roth ist überzeugt, dass Joschka Fischer nicht in die Politik zurückkehren will Bild: dapd

Die Grünen-Vorsitzende Roth ist gegen eine Debatte über einen eigenen Kanzlerkandidaten. Der Anlass sind Umfragewerte, wonach Grüne und SPD im Bund derzeit eine Mehrheit hätten - wie auch in der jüngsten Umfrage für die F.A.Z.

          Die Führung der Grünen versucht zu vermeiden, mit eigenen Aussagen Spekulationen über einen künftigen grünen Kanzlerkandidaten Nahrung zu geben. Diese Spekulationen gründen sich auf Umfragewerte, wonach Grüne und SPD im Bund derzeit eine Mehrheit hätten. Bei einigen Instituten (Forsa, Emnid) liegen die Grünen dabei vor der SPD, andere (Allensbach, Infratest Dimap, Forschungsgruppe Wahlen) messen hingegen einen Vorsprung der SPD vor den Grünen, die aber durchwegs über der Zwanzig-Prozent-Marke liegen. Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth sagte dazu dieser Zeitung: „Es wäre unseriös und unsinnig, sich jetzt in virtuelle Personaldebatten zu einer noch fernen Zukunft zu ergehen.“

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Gefragt nach dem früheren Außenminister Fischer, der laut „Forsa“ als Kanzlerkandidat mehr Zustimmung erhielte als die Fraktionsvorsitzenden Trittin und Renate Künast, sagte Frau Roth: „Joschka Fischer hat mehrfach deutlich gemacht, dass er sich aus der ersten Reihe der aktiven Politik zurückgezogen hat und daran auch nichts ändern will. Da kann ich nur sagen: I am convinced.“

          Der Zuspruch für die Grünen sei auch deshalb so groß, „weil wir uns statt mit solchen Fragen mit den hier und heute relevanten Fragen beschäftigen“, sagte Frau Roth. Sie verwies auf die Forderung nach einem beschleunigten Atomausstieg. Die Energiekonzerne versuchten derzeit „mit aller Macht, mit gezielt gestreuten Strompreis-Horrorzahlen ein Atomkraft-Aus zu blockieren“. Außerdem verwies sie auf die Ziele der Grünen bei den nächsten Landtagswahlen: „In Bremen weiter regieren, in Mecklenburg-Vorpommern in den letzten noch fehlenden Landtag einziehen und in Berlin mit Renate Künast das Rote Rathaus erobern.“

          Während Frau Roth – anlässlich des Jahrestags der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko – Bundeskanzlerin Merkel (CDU) angriff, deren Ankündigungen einer Energiewende sie als „Lippenbekenntnisse“ bezeichnete, richtete Trittin in der Zeitung „Die Zeit“ seine Angriffe gegen die SPD, die in der Energiepolitik „hektisch, ohne Kompass und Kurs“ agiere. Sie lehne eine Besteuerung von Diesel nach Kohlendioxid-Gehalt ab, „obwohl das nicht nur fachlich logisch ist, sondern auch im SPD-Programm steht“. Und in einer „Allianz“ mit der FDP sei die SPD für neue Kohlekraftwerke.

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