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Kanzlerkandidatur der SPD : Wieder verstolpert die SPD die K-Frage

Steinbrück, Gabriel und Steinmeier: 2012 beschlossen die drei Männer die K-Frage. Bild: dapd

Alle Medien wissen vor der Parteibasis Bescheid und es läuft irgendwie anders als geplant. Das hat in der Partei schon fast Tradition. Aber für Gabriel geht es besser aus als für einen seiner Vorgänger.

          Um 14.34 Uhr verschickt der Mediendienst „Meedia" einen „Extra-Newsletter“. Darin steht: Sigmar Gabriel verrät der Zeitschrift „Stern“ seine Absage der Kanzlerkandidatur für die SPD. Die Rede ist von „Meedia-Infos“. Zu sehen ist ein zufrieden schauender Sigmar Gabriel mit der großen Zeile „Der Rücktritt“. Aus „privaten Gründen“ trete Gabriel zurück. Vom Parteivorsitz, vom Amt des Wirtschaftsministers?

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          Kurz darauf Zeit Online: Gabriel tritt nach „Zeit-Informationen“ nicht als Kanzlerkandidat an. Das begründet er gegenüber der Hamburger Wochenzeitung mit dem Satz: „Es ist meine Pflicht als Vorsitzender.“ Die Meldung ist um 15:03 Uhr veröffentlicht. Der stellvertretende Zeit-Chefredakteur Bernd Ulrich, heißt es dort, habe Gabriel über ein halbes Jahr immer wieder getroffen. Wenige Minuten später, es ist 15.13 Uhr, meldet Spiegel Online: Gabriel verzichtet auf Kanzlerkandidatur. Nach „Spiegel-Informationen“, heißt es dann. Alle Medien haben einen kleinen Teil an dieser Geschichte, die offenbar vom Willy-Brandt-Haus oder wenigstens vom bisherigen Parteivorsitzenden Gabriel sehr genau medial inszeniert wurde. Auch andere wie die ARD melden nach eigenen Informationen einen Rücktritt und die Kandidatur des bisherigen Europapolitikers Martin Schulz.

          Seit Monaten wächst der Druck auf Parteichef Gabriel, sich zur Frage der Kanzlerkandidatur zu positionieren. Erst schien klar, dass Martin Schulz, der ehemalige Präsident des Europa-Parlaments, Kanzler werden will. Dann sickerte das Interesse von Olaf Scholz, Hamburgs Ersten Bürgermeister, durch und es schien offen zu sein, wie sich die entsprechenden Führungsfiguren der SPD entscheiden. Zuletzt war nur eins klar: Gabriel will sich Dienstagnachmittag vor Vertrauten und Parteifreunden zur K-Frage äußern und anschließend vor die Medien treten.

          Eine Vielzahl von Medien wusste offenbar vor der Partei Bescheid. Am frühen Nachmittag, als noch keine Bestätigung über die Nachricht da ist, halten einige SPD-Politiker auf Landesebene den „Stern“-Titel für  Fake-News. Auch wenn die großen Porträts und Interviews als passende Erklärungen nun bereit liegen, wäre es nicht verwunderlich, wenn sich manche Genossen an der Basis und in den mittleren Führungsebenen auf den Schlips getreten fühlen. Sie empfinden den Schritt Gabriels aus dem Hinterzimmer heraus eine Medienstrategie zu choreographieren als Respektlosigkeit. 

          Auch wenn alles genau geplant zu sein scheint, entsteht der Eindruck, die SPD verstolpere wieder eine Kanzlerkandidatur. Und genau das hat in der Partei Tradition.

          Vor vier Jahren hieß der SPD-Vorsitzende auch Sigmar Gabriel. Früh führten er, Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier als Führungszirkel der Partei Gespräche über die Kandidaten-Frage. Gabriel signalisierte recht früh, dass er verzichten würde, ebenso Steinmeier parteiintern, der schon in gleicher Position 2009 gescheitert war. Peer Steinbrück sollte Kanzlerkandidat werden, das berichtete zunächst das Magazin „Cicero“. Die SPD dementierte die Nachricht zunächst, andere Medien berichteten, die SPD bestätigte die Personalie Steinbrück nun doch nach einer Indiskretion Steinmeiers in einem Hintergrundgespräch und vier Tage später, am Montag, 28. September machte es die Partei ganz offiziell: Peer Steinbrück wird Kanzlerkandidat.

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