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Merz und die K-Frage : Darüber wird man ja noch reden dürfen

  • -Aktualisiert am

Friedrich Merz weiß, dass eine Debatte über die Modalitäten zur Bestimmung eines Kandidaten immer auch eine Diskussion über die richtige Person ist. (Archivbild) Bild: AFP

Vorgezogene Vorstandswahlen wird Annegret Kramp-Karrenbauer beim CDU-Parteitag nicht fürchten müssen. Aber mit der Frage, wie der nächste Kanzlerkandidat bestimmt wird, hält das Merz-Lager den Ball im Spiel.

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          Was haben sich die CDU-Mitglieder vor einem Jahr auf die Schulter geklopft. Geradezu als Befreiung wurde von der Führung bis zur Basis der mehrwöchige Prozess gefeiert, an dessen Ende von drei Bewerbern für die Nachfolge Angela Merkels im Parteivorsitz eine übrig geblieben war: Annegret Kramp-Karrenbauer. Weil aber Friedrich Merz nur so knapp unterlegen war, wirkt alles, was danach passiert ist, wie ein zwölfmonatiger Kater nach dem Rausch. Nur eindeutige Ergebnisse führen nach Personalentscheidungen zur Ruhe. Die ist in der CDU nicht eingekehrt. Wenn es so knapp ist wie bei Kramp-Karrenbauer und Merz, ist es programmiert, dass die unterlegene Gruppe auf ein Rückspiel hofft.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Das wird auf dem Parteitag der CDU in Leipzig nicht als außerplanmäßig vorgezogene Vorstandswahl stattfinden. Annegret Kramp-Karrenbauer wird sich nach allem, was man absehen kann, erst im Herbst des nächsten Jahres einer Wiederwahl stellen müssen. Aber seit Wochen wird im Merz-Lager und unter dessen Führung eine Art alternatives Rückspiel veranstaltet. Es geht darum, wie der nächste Kanzlerkandidat der Union bestimmt wird. Merz betont seit längerem und auch jetzt, unmittelbar vor dem Parteitag, dass er die Basis beteiligen wolle. Allerdings spricht er sich nicht für eine Urwahl aus, wie die SPD sie gerade zur Bestimmung einer neuen Parteiführung nach einem quälenden Jahr zum Ende bringt. Das Beispiel ist dann doch zu abschreckend.

          Merz, den zwar mancher inzwischen offen dafür kritisiert, dass er sich nicht in eine Führungsamt an der Parteispitze hat wählen lassen, den aber immer noch viele in der CDU und vor allem in der wählenden Bevölkerung als den besseren Kanzlerkandidaten ansehen, hält einfach nur den Ball im Spiel. Er ist nicht entschlossen, ja kühn genug, aus der Deckung zu kommen und zu sagen: Wählt mich, und zwar jetzt! Das könnte leicht daneben gehen, zumal die CDU nicht zu solchen revolutionären Manövern neigt. Er weiß aber, dass eine Debatte über die Modalitäten zur Bestimmung eines Kanzlerkandidaten immer auch eine Diskussion über die richtige Person ist. Motto: Darüber wird man ja noch reden dürfen, ohne dass es einem gleich als Personaldebatte oder gar als Angriff auf die Vorsitzende ausgelegt wird.

          Kramp-Karrenbauer und ihr Generalsekretär Paul Ziemiak werden in Leipzig alles tun, um die Sache klein zu halten. Doch am Donnerstag hat sich auch Norbert Röttgen, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, für eine Basisbeteiligung bei der Bestimmung des Kanzlerkandidaten ausgesprochen. Auch er will es nicht wie bei der SPD machen, sondern schlug im ZDF eine Vorgehensweise vor wie vor einem Jahr zur Auswahl der CDU-Vorsitzenden. Röttgen, der kaum an eigene Chancen auf eine Kanzlerkandidatur glauben dürfte, fügte hinzu, er traue Kramp-Karrenbauer eine Kandidatur zu. Seine Äußerung ist ein Hinweis darauf, dass die Debatte nicht nur im Merz-Lager geführt wird, sondern in größerer Breite. Insofern wird es spannend werden zu sehen, ob sie von der Parteiführung unter Kontrolle gehalten werden kann oder doch zum großen Ersatz-Rückspiel wird.

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