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Nach Konflikt mit Woelki : Kanzlei will Kölner Missbrauchsgutachten selbst veröffentlichen

Kardinal Rainer Maria Woelki, Kölner Erzbischof, leitet den Gottesdienst im Juli 2017 in Köln einen Gottesdienst. Bild: dpa

Bisher hat der Kölner Kardinal Woelki das Gutachten über sexuelle Gewalt an Minderjährigen zurückgehalten. Als Grund nannte er methodische Mängel. Nun wehren sich die Gutachter – und bieten an, die Haftungsrisiken der Veröffentlichung zu übernehmen.

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          Im Konflikt über die Weigerung des Erzbistums Köln, ein unabhängiges Gutachten über sexuelle Gewalt an Minderjährigen zu veröffentlichen, zeichnet sich keine Entspannung ab. Nachdem in den vergangenen Wochen der durch das Erzbistum beauftragte Frankfurter Richter und Strafrechtsprofessor Matthias Jahn vor zahlreichen kirchlichen Gremien darlegen durfte, warum die Bistumsleitung um Rainer Maria Kardinal Woelki das von ihr selbst bestellte Gutachten nicht habe veröffentlichen dürfen, haben nun die Gutachter der Münchner Kanzlei Westpfahl, Spilker, Wastl (WSW) angeboten, das Gutachten in eigener Verantwortung zu veröffentlichen.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          In einer Mitteilung versicherten die Anwälte am Freitag, es sei nach wie vor ihr Bestreben und ihr dringender Wunsch, dass das Gutachten „zeitnah und vollständig“ veröffentlicht werde. Dies könne „jederzeit auch ausschließlich über unsere Homepage erfolgen, so dass nach unserer Einschätzung für das Erzbistum Köln keinerlei Haftungsrisiken bestehen. Wir trügen hierfür die alleinige und volle Verantwortung.“

          Aachener Bischof distanzierte sich

          Mitte November hatte der Aachener Bischof Helmut Dieser ein Gutachten ebenjener Kanzlei über sexuellen Missbrauch im Bistum Aachen veröffentlicht. Damit hatte sich Bischof Dieser nicht nur ostentativ von der Behauptung des Kölner Kardinals Woelki distanziert, wonach das (methodisch identische) Gutachten der Kanzlei WSW für das Erzbistum Köln nicht ans Licht kommen dürfe. Der Aachener Bischof und sein Generalvikar Andreas Frick gaben mit ihrem Schritt der Kölner Bistumsleitung auch zu verstehen, dass sie die Einwände Jahns gegen das Münchner Gutachten, die dieser Ende Oktober erhoben hatte, für nicht stichhaltig hielten.

          Am Freitag setzten sich nun die Münchner Anwälte direkt gegen das Verhalten der Kölner Verantwortlichen und die Anwürfe des Strafrechtlers Jahn zur Wehr. Weder vor der Veröffentlichung des Jahn-Gutachtens noch in der Folgezeit habe man die Möglichkeit bekommen, im Rahmen entsprechender Veranstaltungen „die zahlreichen tatsächlichen und methodischen Fehler des Jahn-Gutachtens darzulegen“. Diese Fehler reichten von einer „selektiven und unvollständigen“ Darstellung des Auftrags an die Münchner Kanzlei über eine Verkennung der besonderen Anforderungen, die sich zum Schutz der Betroffenen an ein Gutachten im Bereich des sexuellen Missbrauchs stellten, bis zu schweren Mängeln bei der Darlegung der kirchlichen Rechtslage.

          Von der Arbeitsweise der Kanzlei über tatsächliche Feststellungen bis hin zu den Bewertungen und Empfehlungen könne sich jeder Interessierte aber nur dann ein „eigenes und objektives Bild“ machen, wenn das Gutachten auch veröffentlicht werde. Kardinal Woelki hatte dies noch Ende Januar 2020 versprochen.

          Sechs Wochen später wurde die von langer Hand geplante Veröffentlichung kurzfristig mit der Begründung abgesagt, es gebe „äußerungsrechtlichen Klärungsbedarf“. Im September wurde eine Kölner Strafrechtskanzlei beauftragt, ihrerseits ein Gutachten über sexuellen Missbrauch zu erstellen. Etwa gleichzeitig wurden Jahn und ein Ko-Autor, der Erlanger Kriminologe Franz Streng, beauftragt, das ursprüngliche Gutachten ihrerseits zu begutachten. Das neue Gutachten der Kölner Kanzlei soll im März vorliegen.

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