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Apologie der Wissenschaft : Die falsche Sehnsucht nach Einfachheit

Menschen gehen neben einem Luftballonverkäufer am Nachmittag über die Zeil in der Frankfurter Innenstadt. Bild: dpa

Kann die Wissenschaft die Zukunft vorhersagen? Nein. Das ist enttäuschend und die Frustration darüber spürbar. Trotzdem bringt es etwas, Modelle zu erstellen – und sie richtig zu lesen.

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          Die Welt als eine Art Uhrwerk, im Kern einfach und vorhersagbar – das war im achtzehnten Jahrhundert eine moderne Idee. In solch einer Welt lieferte die Wissenschaft eine Methode, auf der Grundlage von Daten und Gesetzen in die Zukunft sehen zu können — beliebig genau im Prinzip, sofern nur die Datenqualität stimmt. Große Denker waren Anhänger dieser Vorstellung, Isaac Newton etwa oder John Stuart Mill. Die Idee einer prognostizierbaren Welt ist ohne Frage ganz zauberhaft. Allerdings wissen wir heute, rund 300 Jahre später, dass sie falsch ist. Weil komplexe Systeme, wie sie in der Welt leider dominieren, ganz anders funktionieren.

          Komplexe Systeme erfordern unangenehme Dinge wie Statistik, verlangen ermüdende Unterscheidungen wie die zwischen Korrelation und Kausalität. In ihnen interagieren unzählige Einflüsse und Faktoren. Sie reagieren teils empfindlich auf kleinste Parameteränderungen. Das undurchsichtige Ganze lässt sich nicht ordentlich auf überschaubare Teile reduzieren. Die schöne Schwarz-Weiß-Welt der Wahrheiten und Sicherheiten zerfasert in hässliche Grautöne von Wahrscheinlichkeiten und Fehlerabschätzungen.

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