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Amthors Kandidaturverzicht : Nur ein gequältes Lächeln

Philipp Amthor (links) und Eckhardt Rehberg nach der Vorstandssitzung der Landes-CDU in Güstrow Bild: dpa

Philipp Amthor galt bis zuletzt als Aufsteiger und Hoffnungsträger in der CDU. In Güstrow wollte er über die Fehler sprechen, die ihm vorgeworfen werden. Doch der Abend wird zu seiner bislang größten Niederlage.

          4 Min.

          Es ist ein regnerischer Abend in der mecklenburgischen Provinz, an dem wohl eine der wichtigsten Entscheidungen für die weitere Karriere von Philipp Amthor fällt. Es wird ein Rückzug und seine bislang größte Niederlage. Der Bundestagsabgeordnete der CDU, der große Aufsteiger und Hoffnungsträger seiner Landespartei, ist gekommen, um über die Fehler zu sprechen, die ihm vorgeworfen werden. Über die Fehler, die er gemacht hat. Nach knapp zwei Stunden Diskussion tritt er mit dem kommissarischen CDU-Landesvorsitzenden Eckhardt Rehberg vor die Presse und sagt, dies sei ein schwerer und ernsthafter Tag für ihn. Er bedankt sich für die „große und überragende Unterstützung“, die er durch die Landespartei erfahren habe in den vergangenen Tagen. Und dann kommt das „Aber“.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Der Landesvorstand der CDU in Mecklenburg-Vorpommern ist in einem Hotel am Rande der kleinen Stadt Güstrow zusammengekommen. Eigentlich sollte es nur darum gehen, wann und wo ein Parteitag den neuen Landesvorsitzenden wählen soll. Aber nachdem die Lobbyismus-Vorwürfe gegen Amthor vor einer Woche bekanntgeworden waren, ist der Gesprächsbedarf enorm gestiegen und die Anspannung groß. Denn vor dem Treffen des Landesvorstands war Amthor der einzige Kandidat für den Landesvorsitz. Nach dem Treffen ist er es nicht mehr.

          Nicht zur Belastung für die Partei werden

          Amthor sagt vor der Presse, die rechtlichen Fragen kläre er mit der Bundestagsverwaltung. Was die politischen Fragen angehe, habe er immer gesagt, dass man bereit sein müsse, die persönlichen Ziele hinter das Wohl der Partei zu stellen. „Deshalb habe ich mich heute trotz der überragenden Unterstützung entschieden, dass ich für das Amt des Landesvorsitzenden nicht mehr zur Verfügung stehe.“ Er wolle nicht zur Belastung für die Partei werden.

          Und tschüss: Philipp Amthor verlässt nach der Sitzung des CDU-Landesvorstandes das Tagungshotel.

          Amthor, so hatte es die Zeitschrift „Der Spiegel“ berichtet, soll sich für das amerikanische Start-up „Augustus Intelligence“ engagiert haben, wo er nicht nur als ein „Direktor“ geführt wurde, sondern auch Anteilsoptionen erhalten hat. So hätte er auch ganz persönlich von dem Erfolg des Unternehmens profitiert, für das er sich mit einem Brief an Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) eingesetzt hatte. Zudem war die Rede von teuren Reisen und Hotels und noch ist nicht klar, wer das alles bezahlt hat. Amthor gestand einen Fehler ein, die Optionen habe er zurückgegeben und nicht genutzt und auch seinen Posten bekleide er nicht mehr. Danach schwieg er öffentlich. Die Opposition forderte Konsequenzen und aus der Bundespartei hielten sich viele zwar zurück, aber auch Kritik war zu hören: zum Beispiel von Friedrich Merz, dem er politisch nahe steht. „Er hat einfach Mist gemacht“, äußerte Merz. Wie CDU-Politiker Wolfgang Bosbach über den Fall Amthor denkt, hören Sie in der aktuellen Folge des „Podcast für Deutschland“.

          In Amthors Heimatverband blieb es hingegen lange ruhig. Die CDU in Mecklenburg-Vorpommern hat Anfang des Jahres ihren Landesvorsitzenden und designierten Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im nächsten Jahr verloren, Vincent Kokert ging aus privaten Gründen und ließ seine Partei verblüfft zurück. Als erster Kandidat für den Landesvorsitz präsentierte sich dann der 27 Jahre alte Amthor. 2017 hatte er seinen Wahlkreis in Vorpommern direkt gewonnen und seitdem zumindest mit Blick auf seine Bekanntheit einen rasanten Aufstieg erlebt. Immer mehr Mitglieder im Landesverband versammelten sich hinter ihm, eine Gegenkandidatin gab vergangene Woche auf. Dass Amthor laut Medienberichten wohl schon vor ihrer Aufgabe durch eine Anfrage des „Spiegels“ geahnt haben dürfte, dass da etwas droht, ist noch eine weitere Merkwürdigkeit in diesem Fall.

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