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Kampfdrohnen : Kaufen, entwickeln oder ächten?

Wie groß ist die Fähigkeitslücke?

Ob es zu einem solchen europäischen Projekt kommt, ist allerdings noch offen. Die verteidigungspolitische Sprecherin der FDP im Bundestag, die Abgeordnete Elke Hoff, befürchtet, dass sich am Beispiel der unbemannten Fluggeräte alle Versäumnisse und Verzögerungen wiederholen könnten, die sich schon bei den bisherigen Großvorhaben der europäischen Luftstreitkräfte zeigten: beim Eurofighter, beim Transportflugzeug Airbus A400M, bei den Hubschraubern „Tiger“ und „NH90“.

Sie verlangt vom Verteidigungsministerium zweierlei. Erstens müssten die militärischen Entscheidungsträger präzise begründen, warum die Bundeswehr in möglichen künftigen Einsätzen auf die Fähigkeiten bewaffneter Drohnen für mittlere Höhen und lange Operationszeiten nicht verzichten könne. Schließlich verfüge die Luftwaffe über „Tornado“- und „Eurofighter“-Kampfflugzeuge und Hubschrauber vom Typ „Tiger“, die erst jüngst beschafft und in Afghanistan unter Mühen zum Einsatz gebracht worden seien und die eine Gefechtsunterstützung für Bodentruppen leisten könnten. Wie groß sei also überhaupt „die Fähigkeitslücke“, welche die Drohnen schließen sollen, fragt die Abgeordnete. Dabei gehe es auch um eine Rechtfertigung der Entwicklungskosten in Milliardenhöhe, die ein europäisches Drohnenvorhaben mit sich bringen werde.

Zweitens mahnt sie die politische Führung, umfassende und abgestimmte Vorbereitungen in Gang zu setzen, sobald eine Entscheidung für die Entwicklung einer europäischen Drohne in Aussicht stehe. Offenkundig reiche der Markt der Möglichkeiten für unbemannte Flugsysteme in der Zukunft doch weit über die militärischen Aufklärungs- und Kampfeinsätze hinaus. In einer Anhörung, die die Fraktion der Grünen jüngst zu Einsatzszenarien ferngesteuerter Flugapparat im Bundestag veranstaltete, kamen zahlreiche Verwendungszwecke zur Sprache. Die niedersächsische Polizei nutzt Drohnen kleinerer Bauart offenbar zur Überwachung von Demonstrationen, die Berliner Polizei filmt und fotografiert damit regelmäßig die Tatorte von Kapitalverbrechen. Andere Einsatzmöglichkeiten bieten sich in der Verkehrsbeobachtung, im Umweltschutz und im privaten Sicherheitsgewerbe. Die FDP-Abgeordnete Hoff plädiert angesichts dieses Spektrums an Möglichkeiten dafür, dass sich alle Ressorts der Bundesregierung, die von dieser Revolution der Luftfahrt berührt würden, an Forschung und Entwicklung beteiligen sollten. Wenn die Ministerien für Verkehr, Inneres, Wirtschaft, Forschung und der Verteidigung zusammenwirkten, werde die Gefahr geringer, dass die Kosten der Entwicklung durch nachträgliche Änderungen und Nachbesserungen ins Unermessliche stiegen.

Wie eine solche Kostenexplosion entsteht, die das gesamte Vorhaben ins Wanken bringen kann, lässt sich gegenwärtig an einem anderen Drohnen-Entwicklungsprojekt der Bundeswehr beobachten. Es handelt sich um den „Eurohawk“, ein unbemanntes Aufklärungsflugzeug in der größten Drohnen-Klasse, das mit seinen Abmessungen ungefähr einem Mittelstrecken-Passagierflugzeug entspricht. Fünf Exemplare dieses Flugzeugs, das in Höhen von 15000 Metern unterwegs sein soll, wollte die Luftwaffe in den nächsten Jahren beschaffen. Das unbemannte Flugzeug basiert auf einer amerikanischen Entwicklung, steckt jedoch voller Aufklärungstechnik, die von dem europäischen EADS-Tochterunternehmen Cassidien geliefert wird. Das Verteidigungsministerium teilte jetzt mit, es seien „nicht unerhebliche Mehrkosten“ dadurch entstanden, dass die einem fliegenden Walfisch ähnelnde Riesendrohne umgerüstet werden muss, um deutschen Luftfahrtgesetzen und -bestimmungen zu genügen. Der Aufwand soll mehr als ein Drittel jener 1,2 Milliarden Euro betragen, die einst für das gesamte „Eurohawk“-Programm veranschlagt worden waren. Außerdem ist mittlerweile unsicher geworden, wie lange der Grundtyp der Riesendrohne, von dem die deutsche Variante abhängt, noch in den Vereinigten Staaten produziert wird.

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