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Die Zukunft der Politik : „Man darf nicht Masse mit Macht verwechseln“

Ihre Botschaft kommt bei vielen so an: Ihr habt alles falsch gemacht, ihr müsst euer Verhalten ändern! Das hört niemand gerne …

Behrends: Es geht um die Angst vor den Veränderungen, die zwangsläufig anstehen. Und egal, wie viel Mühe wir uns geben, gerecht zu sein, Leute fürchten um ihre Arbeitsplätze und liebgewonnenen Gewohnheiten, sie fühlen sich überrollt. Ihren Ärger entladen sie gegenüber einzelnen Personen. Und im Netz sind die Hemmschwellen sehr niedrig, das haben Luisa und ich ja auch schon erleben müssen.

Sie beide haben Bücher geschrieben. Frau Neubauers „Vom Ende der Klimakrise. Eine Geschichte unserer Zukunft“ erscheint demnächst, Frau Behrends’ „Rabenvater Staat“ kam im Frühjahr heraus. Warum musste es das alte Medium Buch sein?

Behrends: Weil man da Ideen und Gedanken sorgfältiger ausführen kann als in einem Blogbeitrag oder Youtube-Video. Darüberhinaus will man natürlich auch jenseits der eigenen Generation Menschen erreichen, und es sind ja doch eher die Älteren, die Bücher lesen. Und deren Unterstützung braucht man auch für eine bessere Familienpolitik.

Neubauer: Die Idee, meine Gedanken einmal so zusammenzufassen, hatten ein Freund und ich schon vor zwei Jahren – vor „Fridays for Future“. Ein paar Leute hatten mir empfohlen, Youtuberin zu werden und so aktiv zu werden, aber das erschien mir wahnsinnig aufwendig. Ein Buch erscheint mir passender.

Frau Behrends, Sie wollen nicht mehr für die Bezirksverordnetenversammlung kandidieren?

Behrends: Die Hälfte der fünf Jahre ist rum, da werde ich noch spannende Anträge einbringen können, aber auf dieser kommunalpolitischen Ebene möchte ich danach nicht mehr aktiv sein. Um politisch aktiv zu werden, braucht man heute ja kein Amt mehr.

Träumen Sie von einem Bundestagsmandat?

Behrends: Ich möchte mein Referendariat als Juristin machen und danach berufstätig sein, dazu habe ich eine Familie mit zwei Kindern. Das passt nicht zu einer so zeitintensiven Aufgabe wie einem Bundestagsmandat.

Und wie geht es bei Ihnen weiter, Frau Neubauer? Was ist, wenn der Protest einschläft?

Neubauer: Der schläft nicht ein, die Klimafrage wird uns weiter beschäftigen, unsere schlimmsten Erwartungen werden ja übertroffen. Der Permafrostboden fängt schon heute an, aufzutauen, das wurde 2090 erwartet, nicht 2019. Ich will noch besser auf einer naturwissenschaftlichen Ebene verstehen, was mit unserem Planeten los ist, deswegen werde ich nach meinem Bachelor noch einen Master machen und ein anderes Fach dazu. Dem Thema Klima und Umwelt werde ich mich immer widmen, ob bei „Fridays for Future“ oder anderswo.

Luisa Neubauer, Jahrgang 1996, ist eine der Hauptorganisatorinnen und bekanntesten Gesichter von „Fridays for Future“ in Deutschland. Die Geographiestudentin lebt in Göttingen und Berlin und setzt sich in diversen Organisationen für Klimaschutz, Generationengerechtigkeit und gegen Armut ein. Mit Co-Autor Alexander Repenning veröffentlicht sie diesen Herbst das Buch „Vom Ende der Klimakrise. Eine Geschichte unserer Zukunft“.

Jenna Behrends, Jahrgang 1990, hat Jura studiert und ist für die CDU Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Mitte. Sie wurde bundesweit durch einen offenen Brief bekannt, in dem sie 2016 – ein Jahr vor #MeToo – Sexismus in ihrer Partei und der Politik beklagte – und für den sie aus CDU-Kreisen heftig kritisiert wurde. Im Frühjahr veröffentlichte sie ein viel beachtetes Buch über die ihrer Ansicht nach falsche Familienpolitik: „Rabenvater Staat“.

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