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Kampf um Parteivorsitz : Die Bürde der CDU

Angela Merkel und Armin Laschet vor Beginn der Vorstandssitzung der CDU am Montag im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin. Bild: dpa

Der CDU steht eine Kampfabstimmung über den Parteivorsitzenden bevor. Für Merz und Röttgen ist das keine gute Nachricht. Laschet muss jetzt springen.

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          Das Hamburger Wahldebakel der CDU ist so groß, dass sie als Prügelknaben die Thüringer CDU braucht, die ohnehin am Boden liegt. Die sei, man höre und staune, wie ein Orkan durch die letzten Tage des Wahlkampfs gezogen. Dass die Ausläufer des Erfurter Konflikts über den Umgang mit AfD und Linkspartei ganz spurlos an Hamburg vorbeigehen würden, war nicht zu erwarten. Das Wahlergebnis aber ernsthaft darauf zurückzuführen spricht Bände über eine grassierende Selbsttäuschung der CDU. Wenn es Gegenwind gab für die seit Jahren ohnehin schwunglose Hamburger Partei, dann doch durch die Berliner, nicht durch die Erfurter Führungskrise.

          Am Tag nach der Wahl interessierte sich denn auch niemand für das Geschehen in Thüringen, sondern dafür, wie es nach Annegret Kramp-Karrenbauer weitergehen soll. Deren Gespräche mit den maßgeblichen Nachfolgekandidaten scheinen nicht allzu ergiebig gewesen zu sein, bis auf dass nun alles ganz schnell gehen soll.

          Der Berliner Sonderparteitag im April wird wohl Schauplatz einer Kampfabstimmung werden. Das ist für Friedrich Merz und Norbert Röttgen, die auf die Parteibasis, auf Regionalkonferenzen gesetzt hatten, keine gute Nachricht; für Jens Spahn und Armin Laschet hängt hingegen alles davon ab, wie sich ihre Konkurrenz einbinden lässt.

          Laschets „Teamlösung“, die auch dazu dient, das Risiko der Kandidatur auf mehreren Schultern zu verteilen, wird zwar geflissentlich begrüßt, hat aber wenig Zukunft. Es mag überlebenswichtig sein, möglichst viele, auch gegensätzliche Strömungen der Partei in Führungspositionen abzubilden und damit die Stromlinien der Merkel-Jahre hinter sich zu lassen. Wollen aber vier Männer aus demselben Landesverband die Führung von Partei, Fraktion und Kanzleramt unter sich ausmachen?

          Kramp-Karrenbauer beharrte am Montag darauf, dass der Vorsitz auch ein „klares Signal“, ein „Präjudiz“ für die Kanzlerkandidatur sei. Das ist sich die CDU schuldig, aber auch ein Seitenhieb gegen die CSU. Und es erschwert die Bürde des künftigen Vorsitzenden.

          Er wird an dieselben Grenzen stoßen, die Kramp-Karrenbauer fast die ganze politische Karriere kosteten: an die Gitter des Kanzleramts, an denen er nicht zu rütteln hat. Wer deshalb auf schnelle Neuwahlen in Erfurt dringt, dem könnte das Wort noch im Halse stecken bleiben.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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