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Jasper von Altenbockum (kum.)

Kampf um den CDU-Vorsitz : Lucky Laschet

Armin Laschet (rechts) und Jens Spahn am Dienstag in der Bundespressekonferenz in Berlin. Bild: EPA

Armin Laschet hat sich die beste Ausgangsposition für die Wahl des CDU-Vorsitzenden verschafft. Seinem Bündnis mit Jens Spahn haben Friedrich Merz und Norbert Röttgen nichts entgegenzusetzen.

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          Es ist ein kluger Schachzug von Armin Laschet und Jens Spahn, sich zusammen der Wahl zum neuen CDU-Vorsitzenden zu stellen – nicht als Doppelspitze, sondern als Tandem mit Laschet am Lenker und Spahn als einem seiner künftigen Stellvertreter. An anderer Stelle hätte Laschet als Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen und Vorsitzender des größten Landesverbands nicht sitzen können; die „Teamlösung“, für die er immer warb, hätte sich nur durch die Zahl der Mitfahrer hinter ihm unterscheiden können.

          Für Laschet ist es allerdings wichtig, dass hinter ihm nun einer der jüngsten und erfolgreichsten Minister im Kabinett Merkel sitzt – und gleichzeitig einer der profilierten Kritiker der Kanzlerin. Der Verzicht Spahns auf das höchste Parteiamt sollte aber nicht als Verzicht auf alle Zeit bewertet werden. Das unterscheidet ihn von Friedrich Merz und Norbert Röttgen, die sich schon deshalb für eine Unterordnung unter Laschet nur schwer bereit erklären konnten.

          Für beide ist es vermutlich die letzte Chance, ganz nach oben zu kommen. Für Spahn nicht. Spahn zieht nur die Konsequenzen aus der Einsicht, dass er gegen drei Kandidaten keine Aussicht auf Erfolg, an der Seite des stärksten Kandidaten aber die beste politische Zukunft vor sich hat.

          Das Glück des tüchtigen Laschet

          Ist Laschet der stärkste Kandidat? Er hat als einziger Bewerber ein Regierungsamt vorzuweisen, das er sich, unter anderem in der eigenen Partei, mit viel Geduld hart erkämpft hat – und am Ende auch mit dem Glück des Tüchtigen. Für Delegierte der CDU ist das ein Pfund, das an der Unionsspitze derzeit nur Markus Söder vorzuweisen hat. Laschet hat sich in diesem Regierungsamt so breit aufgestellt, dass man meinen könnte, seine Regierung sei ein Gegenentwurf zur Personalpolitik Merkels.

          Die Allianz mit Spahn setzt diese Strategie fort. Beide begründeten ihre Entscheidungen sehr betont mit den Stichworten Zusammenhalt und Volkspartei. Es zeigt sich, dass es kein Nachteil für die Partei und das Land ist, über das Amt des Ministerpräsidenten in höhere Ämter zu wachsen, eine Eigenschaft, die Laschet mit Kiesinger, Schröder und Kohl gemein hätte.

          Bei aller Ironie offenbarte die Reaktion von Merz auf Laschets Zwei-Mann-Team sogleich die Defensive, in die er und Röttgen geraten sind. Merz, der unmittelbar nach Laschet und Spahn in der Bundespressekonferenz auftrat, nannte ihr Bündnis eine „Kartellbildung zur Schwächung des Wettbewerbs“ – eines dieser verräterischen Merz-Zitate.

          Röttgen reagierte noch während der Pressekonferenz von Laschet und Spahn, indem er über Twitter ankündigte, eine Frau für sein „Team“ nachzunominieren (in welcher Funktion auch immer). Die Botschaft war etwas überdeutlich: Laschet und Spahn sind Männer und vernachlässigen die Frauen. Auch Merz reagierte sogleich, indem er eine Frau als Generalsekretärin ankündigte, sollte er auf dem Parteitag am 25. April gewählt werden.

          Eine Richtungsentscheidung?

          Wichtiger war aber die Botschaft von Merz, fortan gehe es in der CDU um eine Richtungsentscheidung, und es sei gut, dass sich die Partei dieser Entscheidung stelle. Werden das auch die Delegierten so sehen? Laschet und Spahn wollten nicht davon sprechen. Es hätte nicht zu dem Bild gepasst, das sie mit Laschets Kandidatur verbinden sollen: nicht Entscheidung zwischen zwei Richtungen, sondern Zusammenführung, nicht Entweder-Oder, sondern Sowohl-Als-Auch. In allen Themen, die angesprochen wurden – im Wesentlichen Wirtschaft, Migration, Bildung und Europa –, werden Merz und Röttgen Mühe haben, ihren Weg als den besseren und einzigartigen darzustellen.

          Schon am Dienstag wirkte es so, als gehe es eigentlich gar nicht darum, als sei die „Richtungsentscheidung“ nur ein vorgeschobener Grund für das Scheitern einer großen „Teamlösung“, als gehe es eigentlich um die Frage: Wer ist der Chef? Laschet war vor zwei Jahren einer Antwort noch ausgewichen, weil er ahnte, dass Annegret Kramp-Karrenbauer angesichts der langen Zeit bis zur Bundestagswahl an der Trennung von Kanzleramt und Parteivorsitz scheitern würde. Dieser Gefahr wollte er sich nicht aussetzen. Es ist Spekulation, was geschehen wäre, wenn Kramp-Karrenbauer ihr Amt als saarländische Ministerpräsidentin behalten und zur CDU-Vorsitzenden gewählt worden wäre. Wahrscheinlich wäre es für sie anders gekommen.

          Für Laschet ist die Zeit bis zur Wahl jetzt nicht mehr so lange hin, dass sie als Durststrecke empfunden werden müsste. Damals wie heute gilt deshalb auch: Laschet hatte immer auch die Chancen als Kanzlerkandidat im Auge. Auch jetzt, daran ließ er keinen Zweifel. Das Gespräch mit Markus Söder könnte deshalb, egal ob mit Laschet oder Merz, ein sehr kurzes Gespräch werden. Auf Röttgen – Merz sprach gar nicht über ihn, Laschet nur mit versteinerter Miene – wird er sich wohl nicht einstellen müssen.

          Jasper von Altenbockum
          (kum.), Politik

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