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Kampf um Delegiertenstimmen : Welchen CDU-Chef wollen die großen Landesverbände?

Wer zieht hier in die Präsidentensuite ein? Die CDU-Parteizentrale Bild: Jens Gyarmaty

Der neue CDU-Vorsitzende braucht auf dem Parteitag Ende April eine Mehrheit. Für wen sprechen sich die größten Landesverbände aus? Und wer spekuliert im Windschatten auf einen Schub für die eigene Karriere?

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          Armin Laschet war erleichtert, als er am Donnerstagabend nach einer Sitzung des nordrhein-westfälischen CDU-Landesvorstands gegen 21 Uhr vor die Presse trat. Soeben hatte ihn das Gremium mit 27 Ja-Stimmen, zwei Nein-Stimmen und drei Enthaltungen Kandidaten für die Wahl zum neuen CDU-Bundesvorsitzenden auf einem Sonderparteitag Ende April nominiert. Zugleich votierte das Führungsgremium des größten Landesverbandes dafür, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Laschets Stellvertreter werden soll – obwohl eine Abstimmung gar nicht auf der Tagesordnung stand und obwohl Friedrich Merz und Norbert Röttgen, die anderen beiden Aspiranten aus Nordrhein-Westfalen, nicht anwesend waren. Laschet sprach hernach von einer „wichtigen Rückendeckung aus dem eigenen Landesverband“. Er sei froh, „dass das Ergebnis so überwältigend ist“. Spahn ergänzte, in der Diskussion vor der Abstimmung sei das Bedürfnis deutlich geworden, dass die gesamte Breite der Partei abgebildet werde. Das ist exakt das Argument, mit dem sich Laschet im Kampf mit Merz und Röttgen seiner Partei empfiehlt: Indem er ein Team mit Spahn gebildet hat, kann er anders als die beiden anderen Anwärter alle Kräfte und Flügel einbinden.

          Reinhard Bingener
          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.
          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.
          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Im Rennen um den Bundesvorsitz hat das Düsseldorfer Votum erhebliche Bedeutung. Gut ein Drittel der 1001 Delegierten, die Ende April in Berlin einen neuen CDU-Chef wählen, stammen aus Nordrhein-Westfalen. Zwar ist das Votum nicht bindend, doch dürften sich die meisten nordrhein-westfälischen Delegierten an die Empfehlung gebunden fühlen – zumal es sich bei Laschet um „ihren“ Ministerpräsidenten handelt. Auf einige Stimmen aus Nordrhein-Westfalen dürfen Röttgen und vor allem Merz gleichwohl hoffen. Der frühere Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat nicht nur in seiner Heimat Sauerland viele Anhänger. Die für die Teilnahme an der Wahl notwendige Nominierung ist für beide kein Problem. Ihre jeweiligen CDU-Heimatkreisverbände (Hochsauerland bei Merz und Rhein-Sieg bei Röttgen) stellen sie auf.

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