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Jasper von Altenbockum (kum.)

Kampf um den CDU-Vorsitz : Weiter im Schatten der Merkel-Ära

Friedrich Merz während der konstituierenden Sitzung des Bundestags am 26. Oktober. Neben ihm Julia Klöckner, im Hintergrund Silvia Breher und Anja Karliczek. Bild: AFP

Bis Samstag klammert sich die CDU-Führung an die Hoffnung auf eine Team-Lösung. Das ist ein versteckter Aufruf an Norbert Röttgen, auf eine Kandidatur zu verzichten.

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          Ganz aufgegeben hat Armin Laschet die Hoffnung noch nicht, dass es eine Mitgliederbefragung über den künftigen CDU-Vorsitzenden nicht braucht. Das käme nur dann in Betracht, wenn es zu der „einvernehmlichen“ Lösung käme, wenn es also nur einen Kandidaten gäbe. Dann hätte es „weniger Sinn“, wie Laschet nach den Sitzungen von Präsidium und Vorstand sagte, die Mitglieder noch – worüber? – zu befragen.

          Allein die Entscheidung für die Befragung spricht aber dafür, dass es anders kommt. Erst recht hieße es sonst, die Führung setze der Parteibasis etwas vor.

          Dass diesem unwahrscheinlichen Fall eine Gnadenfrist bis Samstag gesetzt wurde, lässt darauf schließen, dass einzelne Namen, die schon im Rennen sind, im Vorstand nicht auf ungeteilte Begeisterung stoßen. Anders gesagt: Die Hoffnung, die aus Laschet spricht, bezieht sich wohl darauf, dass Norbert Röttgen auf eine Kandidatur noch verzichtet.

          Eine Mannschaft ist nicht zu sehen

          Röttgen lässt keinen Zweifel daran, dass er kandidieren will, ohne es geradeheraus zu sagen. Damit richtet er sich gegen die stillschweigende Übereinkunft, dass an einer „Team-Lösung“ gearbeitet werde, dass also ein Favorit mehrere Parteigrößen um sich schart, die noch nicht, nicht mehr oder gar nicht kandidieren wollen. Das liefe ganz offensichtlich auf Friedrich Merz hinaus, der sich in einer Mitgliederbefragung sicher gut schlagen würde. Röttgens Problem: Eine Mannschaft, die sich um ihn gruppiert, ist nicht zu sehen.

          Die Windungen dieses Verfahrens auf inhaltliche Gegensätze zurückzuführen, wie Röttgen es versucht, greift zu kurz. Die Unterscheidung zwischen einer „liberal-konservativen Mitte“ und einer „modernen Mitte“ wirkt ein wenig künstlich. Erst recht, wenn man bedenkt, dass es gerade Sinn eines „Teams“ wäre, alle Richtungen zu berücksichtigen.

          Nur eines verspricht diese Lösung aber nicht: einen Generationenwechsel, den auch Röttgen nicht verkörpert. Das aber wäre der selbstbewusste Abschied von der Merkel-Ära. Nach zwei gescheiterten Versuchen, aus ihrem Schatten zu treten, stünde also doch erst einmal nur ein Übergang.

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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