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Deutsche Ebola-Hilfe : Wegschauen als Option

Späte Reaktion: Deutschland hat das Ausmaß der Ebola-Krise zunächst unterschätzt Bild: Reuters

Deutschland hat im internationalen Kampf gegen Ebola wenig geleistet. Nach Monaten des Zauderns soll nun die Hilfe beginnen – viel zu spät.

          Es kommt selten vor, dass im Auswärtigen Amt jemand einen Fehler zugibt. Mitunter vergehen Jahrzehnte, ehe man sich zu Selbstzweifeln bequemt. Eine Ausnahme machte allerdings kürzlich der Sprecher des Ministeriums, Martin Schäfer. Während einer Regierungspressekonferenz gestand der Diplomat, von der Regierung werde „kein Hehl daraus gemacht“, dass die internationale Gemeinschaft „und damit auch Deutschland“ auf den Ebola-Ausbruch zu spät regiert habe. Ehe man verstanden hatte, dass die Seuche „größer, gefährlicher und schwieriger zu beherrschen sein wird als alle anderen zuvor“, habe es „etwas länger gedauert“.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Hinter dieser diplomatischen Wortwahl verbirgt sich ein ziemliches Desaster deutscher Außen- und Entwicklungspolitik. Eine herausragende Gelegenheit, sich mit Organisationskraft, Know-how und unbewaffnetem Enthusiasmus einen guten Namen zu machen, wurde kläglich vertan. Während die Ebola-Seuche in Westafrika seit zwölf Monaten wütet und inzwischen Tausende Opfer gefordert hat, vermochte der Amtssprecher noch Mitte November bloß zu sagen, die Bundesregierung habe inzwischen „ihren Teil der Hilfe anlaufen lassen“, und er glaube, dass sie sich damit „ganz gut sehen lassen könne“.

          Wo auch immer der Diplomat sich mit der deutschen Bilanz „ganz gut sehen lassen“ will – an den Pritschen und Betten der todkranken Afrikaner hat die Bundesregierung sich jedenfalls bisher nicht groß blicken lassen. Die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“, die in Westafrika von Anfang an voll engagiert gegen Ebola kämpfte, stellte Mitte November für Guinea, Liberia und Sierra Leone fest: „Bislang wurde durch die deutsche Regierung im Ebola-Gebiet noch kein Patient behandelt.“ Viele Länder gaben anfangs mehr Geld, Schweden und Kuweit zum Beispiel. Und viele Länder entsandten Helfer in die Krisenregion, selbst das winzige Kuba ist zurzeit mit rund dreihundert Ärzten und Helfern im Ebola-Einsatz.

          Ausgebrochen war die Seuche letzten Dezember in einem entlegenen Dorf im Südosten Guineas. Ein kleiner Junge, zwei Jahre alt, erkrankte als Erster. Vermutlich hatte er Fleisch von einem infizierten Flughund gegessen. Er starb am Nikolaustag. Bald erkrankten in seinem Dorf weitere Familienmitglieder und Nachbarn. In den folgenden Wochen und Monaten verbreitete sich das Ebola-Virus zunächst schleichend in der Grenzregion zwischen Guinea, Liberia und Sierra Leone. Mitte März begannen Mitarbeiter der Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ erstmals systematisch nach der Ursache des mysteriösen Fiebersterbens zu forschen. Sie schickten Blutproben nach Deutschland und Frankreich. Das Ergebnis war eindeutig: Ebola, der tödliche Erreger aus Zentralafrika.

          Afrika abgeschlagen auf der Tragödien-Liste

          Die Weltgesundheitsorganisation verbreitete die Nachricht am 23. März in alle Welt. Zu dieser Zeit waren offiziell 49 Personen erkrankt, 29 gestorben. In den nächsten drei Tagen berichteten praktisch alle großen deutschen Zeitungen über den Ausbruch. Jetzt wäre der optimale Zeitpunkt gewesen, sofort und mit allen Mitteln zu reagieren. Deutsche Virologen vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut waren damals schon in der Region. Sie bestätigten die Einschätzungen, dass etwas Größeres im Gange sei. Die WHO meldete Anfang April, die Seuche sei „die größte Herausforderung seit Entdeckung des Ebola-Virus“. „Ärzte ohne Grenzen“ sprach von einer „Größenordnung, die wir nie zuvor gesehen haben“. Es sollte noch sieben Monate dauern, bis in Berlin der Sprecher des Auswärtigen Amtes fast dieselben Worte gebrauchte. Außenminister Steinmeier und Verteidigungsministerin von der Leyen hatten Anfang des Jahres eine neue Außenpolitik postuliert: „Gleichgültigkeit ist keine Option“, hatte die Ministerin damals gesagt. Galt das nicht auch für Afrika?

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