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Schlechtere Benotung : Kein kleiner Unterschied

Schwierigerer Weg zum Juristen: Werden Frauen und Migranten bei der Benotung diskriminiert? Bild: dapd

Werden Frauen und Migranten bei der Benotung juristischer Examina diskriminiert? Eine empirische Untersuchung legt das nahe. Kann sie auch Diskriminierung beweisen?

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          Wenn Prüfungen im Verdacht stehen, ungerechte Ergebnisse zu produzieren, gibt das naturgemäß Anlass zur Sorge – ganz besonders, wenn Prüfer und Prüflinge Juristen sind, die sich Chancengleichheit und Diskriminierungsbekämpfung sozusagen von Berufs wegen auf die Fahnen geschrieben haben. Entsprechend groß war auch das Aufsehen, als die Professoren Emanuel Towfigh, Christian Traxler und Andreas Glöckner im Jahr 2014 eine empirische Untersuchung nordrhein-westfälischer Examensergebnisse vorlegten, derzufolge Frauen und Migranten signifikant schlechter als männliche und deutsche Kandidaten abschnitten. Das damals noch SPD-geführte Justizministerium in Düsseldorf gab bei den Verfassern darauf eine weitere Studie auf breiterer Datenbasis in Auftrag, deren Ergebnisse an diesem Donnerstag in der Hertie School of Governance in Berlin vorgestellt werden.

          Constantin van Lijnden
          Redakteur für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Was die Professoren aus den rund 36.000 zwischen 2006 und 2016 in Nordrhein-Westfalen vergebenen Examensnoten herausdestilliert haben, wirkt auf den ersten Blick nicht unbedingt erschütternd: Frauen schneiden danach im ersten juristischen Staatsexamen um 0,29 und im zweiten um 0,14 Punkte schlechter ab als Männer. Bei einer Skala, die von null bis 18 reicht, mag das wie eine Marginalie erscheinen. Doch das lässt die Realität der juristischen Notenvergabe außer Betracht, bei der etwa 75 Prozent aller erfolgreichen Absolventen im Spektrum zwischen 4,0 und 8,9 Punkten landen. Das Wesen der Statistik bedingt zudem, dass schon kleine Verschiebungen in der Breite große Unterschiede an den Extremen ausmachen können: So ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau im zweiten Examen neun oder mehr Punkte erreicht relativ zu der eines Mannes bereits um 17 Prozent niedriger; jenseits von 11,5 Punkten ist sie sogar 32 Prozent geringer. Bedenkt man sodann, dass die Karrierechancen bei keiner anderen Berufsgruppe vergleichbar stark von den Abschlussnoten abhängen, und dass gerade Noten jenseits der neun Punkte für spätere Spitzenpositionen qualifizieren, wird schnell klar, warum hier auch vermeintlich kleine Ungerechtigkeiten zu großem Unmut führen können.

          Schriftlich fast genauso gut wie die Männer

          Die Studie kann Unterschiede in den Ergebnissen freilich nur nachweisen, nicht jedoch erklären. So vermag sie nicht zu sagen, ob das schwächere Abschneiden der Frauen auf zwischen den Geschlechtern ungleich verteilte Resilienz in Stresssituationen, selbstbewusstes Auftreten oder auf eine – bewusste oder unbewusste – Diskriminierung durch die Prüfer zurückgeht. Das gilt entsprechend auch für die Gruppe der Migranten, deren im Schnitt um bis zu 1,42 Punkte (im ersten Examen) beziehungsweise um 1,31 Punkte (im zweiten Examen) schwächeres Abschneiden durch sprachliche Defizite, kulturelle Hürden oder ökonomische Härten ebenso erklärt werden kann wie durch Voreingenommenheit bei der Notenvergabe.

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