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Schlechtere Benotung : Kein kleiner Unterschied

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Gegen Letzteres spricht freilich, dass die Differenz zu den deutschen Absolventen für die Migranten im schriftlichen Teil des Examens etwas stärker ausfällt als im mündlichen, obwohl den Prüfern die Nationalität der Kandidaten bei der Benotung der Klausuren verborgen bleibt. Bei den Frauen stellt sich die Lage umgekehrt dar: Sie schneiden in der anonymen schriftlichen Prüfung des zweiten Examens lediglich um 0,116 Punkte schlechter ab als Männer, in der mündlichen hingegen um 0,225 Punkte. Auch dies deutet jedoch nicht ohne weiteres auf Diskriminierung hin, zumal Frauen in der universitären Schwerpunktprüfung in etwa dieselben Ergebnisse erzielen wie Männer, obwohl ihr Geschlecht den Prüfern dort ebenfalls bekannt ist.

Mindestens mit einer Frau besetzt

Ein anderer Befund lässt gleichwohl vermuten, dass Frauen zumindest in einigen speziell gelagerten Fällen benachteiligt werden. Verständlich wird er erst vor dem Hintergrund der etwas bizarren Usancen in der Examensbewertung. Die Punktzahlen korrespondieren nämlich zu Schulnoten, wobei 0 Punkte ungenügend, 1 bis 3 mangelhaft, 4 bis 6,5 ausreichend, 6,5 bis 9 befriedigend, 9 bis 11,5 vollbefriedigend, 11,5 bis 14 gut und 14 bis 18 sehr gut sind. Ob sie mit einer 8,8 oder einer 8,9 bestehen, wird den meisten Kandidaten relativ egal sein – beides ist ein oberes „befriedigend“. Der Unterschied zwischen 8,9 und 9,0 ist in seiner Bedeutung auf dem Arbeitsmarkt (und im Statusdenken der mitunter etwas dünkelhaften Branche) hingegen ungleich bedeutsamer. Die Prüfungskommission, die den mündlichen und letzten Teil der beiden Examina bewertet, neigt meist dazu, Kandidaten, die anhand ihrer vorherigen Leistungen zwischen zwei Zäsuren liegen, über die Notenschwelle zu heben. Für weibliche Kandidaten liegt die Wahrscheinlichkeit, von dieser Generosität zu profitieren, bei gleichen Klausurnoten jedoch um 2,3 Prozentpunkte niedriger als für männliche – an den besonders relevanten Schwellen zu 9,0 und 11,5 Punkten sogar um sechs Prozent. Dieser Effekt besteht indes nur dann, wenn die Prüfungskommission komplett mit Männern besetzt ist. Befindet sich wenigstens eine Frau in der Kommission, ist die Chance auf den „Notensprung“ für weibliche und männliche Kandidaten gleich hoch.

„Das ist bemerkenswert, weil sich für diesen Befund praktisch keine Erklärung denken lässt, die auf sachliche Beurteilungskriterien zurückgeht“, sagt dazu Christian Traxler. Dementsprechend beabsichtigt man im nordrhein-westfälischen Justizministerium auch, die dreiköpfigen mündlichen Prüfungskommissionen in Zukunft nach Möglichkeit stets mit mindestens einer Frau zu besetzen. Dem weitergehenden Vorschlag der Autoren, die schriftlichen Vornoten der Kandidaten vor den Prüfern ganz geheim zu halten und so die „punktgenaue“ Notenvergabe von vornherein zu verhindern, will man indes nicht Folge leisten.

Das ist bedauerlich, denn diese Praxis nivelliert Leistungsunterschiede (zulasten derjenigen, die ohnehin knapp oberhalb einer Notenschwelle gelandet wären), stigmatisiert glücklose Kandidaten (die sich einer übellaunigen, ausnahmsweise nicht kulanten Kommission gegenübersehen) und schafft überhaupt erst den unverhältnismäßig großen Bedeutungsunterschied zwischen einer knapp erreichten und einer knapp verfehlten Zäsur, der die Prüfer sodann aus falsch verstandenem Großmut Erstere wählen lässt. Hier anzusetzen dürfte weit fruchtbarer sein als die nun absehbar folgende Debatte über Diskriminierungen, deren Existenz durch die Studie keineswegs bewiesen ist.

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