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Junge Leute engagieren sich : Politik ist wieder angesagt

  • -Aktualisiert am

Der Protest kam zu spät: Junge Briten protestieren gegen den Brexit – nach der Entscheidung. Bild: dpa

Trump und Brexit waren Warnschüsse. Junge Menschen merken, was auf dem Spiel steht. Jetzt mischen sie sich wieder in die Politik ein, aber auf ihre Weise: online, offline und überparteilich.

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          Politik polarisiert wieder. Ob das nun gut ist oder schlecht: Sicher ist, dass es junge Menschen zwischen 15 und 35 dazu bringt, sich nach Jahren des Desinteresses und dem Rückzug ins Private mit ihr auseinanderzusetzen. Wähnten sie sich zuvor in gemütlicher Sicherheit eines scheinbar krisensicheren, geeinten Europas, rüttelte die Entscheidung einer wenn auch knappen Mehrheit der Briten für den Brexit und spätestens die Wahl Donald Trumps zum amerikanischen Präsidenten viele wach. Die Terrorattentate in Berlin, London und nicht zuletzt in Stockholm tun dabei ihr Übriges. Der Grundtenor: Man kann sich eben doch nicht darauf verlassen, dass schon alles gut geht, wenn man sich nicht einmischt.

          Und so sitzt die Politik wieder mit am Küchentisch. Auf Partys regt man sich über Trump auf, in der WG-Küche schimpft man auf die AfD, beim Grillen im Park ist Erdogan und das Referendum in der Türkei ein Thema. Das ist eine gute Entwicklung, könnte man meinen. Doch Fakt ist auch, dass es oft beim Reden bleibt. Und dass kaum Diskussionen aufkommen, geschweige denn Streit. Jeder bleibt in seiner Filterblase. Man ist umgeben von Menschen, die so denken wie man selbst. Bildungsgrad, Einkommen, Sozialisierung – alles ungefähr gleich. „Man müsste echt was machen“, heißt es beim Glas Rotwein oft. „Schlimm, diese Populisten“, und: „Früher sind die Leute ja noch auf die Straße gegangen.“

          Von Facebook an die Berufsschulen

          Eine hat den Sprung vom Reden zum Handeln gewagt: Mareike Nieberding gründete am Morgen nach der Wahl Trumps am 9. November 2016 eine Jugendbewegung. Einfach so. Sie schrieb einen Facebook-Post und rief dazu auf, sich wieder zu positionieren. Mittlerweile gefällt 4000 Menschen „Demo“. „Die Idee ist, ein neues Wir-Gefühl unter jungen Menschen in Deutschland entstehen zu lassen. Wir glauben an Demokratie, die freie Presse und Europa. Und wir dürfen die Politik nicht nur in die Hände der Älteren legen“, sagt Mareike Nieberding. Sie ist 29 Jahre alt und Journalistin. Seit November ist „Demo“ gewachsen, etwa 20 bis 25 Leute stellen das Kernteam in Berlin, dazu gibt es in vielen Bundesländern Regionalvertreter.

          Mareike Nieberding, Gründerin von Demo
          Mareike Nieberding, Gründerin von Demo : Bild: privat

          Die drei großen Ziele, die auf der Website formuliert sind, lauten: Ins Gespräch kommen, politisches Selbstbewusstsein vermitteln und zum Wählen motivieren. Praktisch heißt das: Werkzeug für Diskussionen und Debatten an die Hand geben, interessierte Menschen zusammenbringen – und dann raus aus der Filterblase: Auch offline soll die Bewegung funktionieren und die Leute ansprechen, mit denen man eben nicht am Küchentisch sitzt.

          „Demo“ will deshalb an Schulen gehen, genauer gesagt: an Berufsschulen. „Da stehen junge Leute im echten Leben, da ist ganz viel Potential, das nicht angezapft wird. Auf Gymnasien und Universitäten gibt es bereits Angebote. Wir wollen Workshops anbieten, in denen wir Demokratie- und Medienkompetenz vermitteln und politisches Selbstbewusstsein vermitteln“, erklärt Mareike Nieberding. „Und obwohl ,Demo‘ für Frieden und Demokratie ist, wollen wir uns auch mal wieder richtig streiten und mit anderen Meinungen auseinandersetzen.“

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