https://www.faz.net/-gpf-a7t0b
Jasper von Altenbockum (kum.)

Jung und Alt in der Krise : Ein Abgrund der Pandemie

Eine Mitarbeiterin eines mobilen Impfteams vom Robert-Bosch-Krankenhaus bereitet auf der Demenzstation vom Seniorenzentrum „Melanchthonhaus“ im Januar in Schwäbisch Gmünd Spritzen mit dem Impfstoff gegen Covid-19 vor. Bild: Lucas Bäuml

Es ist eingetreten, was befürchtet wurde: Opfer der Corona-Krise sind vor allem die Alten. Die Corona-Politik offenbart ein Verhältnis von Alt und Jung, das zu dieser Tragödie beigetragen hat.

          3 Min.

          Wenn die Corona-Krise auch eine gesellschaftliche Krise ist, dann ist sie eine zwischen Jung und Alt. Wie groß die Entfremdung der Generationen geworden ist, zeigen nicht nur technische Probleme. Wenn Senioren ratlos vor den Bildschirmen ihrer Enkel sitzen und sich durch die Internetseiten der Impfbehörden mühen, ist das nicht nur ein Beispiel dafür, dass viele das Gefühl haben, fremd in dieser Welt geworden zu sein. Die Pandemie hat das Leben komplett neu vermessen, und zwar zu Lasten derer, die das Ende vor Augen haben. Es ist sehr einsam um sie geworden – nicht nur wegen Berührungsängsten und Kontaktverboten, sondern weil sie in der Corona-Politik auf eine Weise vernachlässigt wurden, die gruseln lässt.

          Selbst ein Jahr nach Beginn der Notfallpolitik gibt es noch immer keine flächendeckende Absicherung der Alten- und Pflegeheime, von den Möglichkeiten der zu Hause gepflegten Alten ganz abgesehen. Im ersten Schreck der Pandemie wurden viele Pflegeheime isoliert. Schnell war klar, dass eine menschliche Bekämpfung der Seuche so nicht aussehen kann. Aber was kam dann? Seither gehorcht die Corona-Politik der Linie: Weil eine Isolation vulnerabler Gruppen inhuman ist, müssen sie geschützt werden, indem die gesamte Gesellschaft das Virus mit Kontaktarmut aushungert.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            Sonntagszeitung plus

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Wer suchte den Kontakt zum Gesundheitsminister? Jens Spahn vergangene Woche im Bundestag

          Konsequenzen aus Masken-Affäre : Ein Kodex und Spahns heikle Liste

          Mit Verhaltensregeln und einem „Sanktionsregime“ will die Unionsfraktion auf die Vorwürfe gegen Nikolas Löbel und Georg Nüßlein reagieren. Für Unruhe könnte eine Ankündigung des Gesundheitsministers sorgen.
          Arbeiten schon lange erfolgreich zusammen: der CDU-Vorsitzende Armin Laschet (links) und Nathanael Liminski (rechts)

          CDU-Vorsitzender : Laschets Vertraute

          Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident ist jetzt Bundesvorsitzender der CDU – und hat noch einiges vor. Auf wessen Rat hört er?