https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/julia-kloeckner-verteidigt-christian-lindners-baecker-anekdote-15588668.html

Umstrittene Bäcker-Anekdote : Klöckner und Habeck verteidigen Lindner

  • Aktualisiert am

Ruft zur Mäßigung auf: Julia Klöckner Bild: dpa

Man solle dem FDP-Vorsitzenden jetzt nicht die „Rassismus-Keule“ überziehen, sagt die Landwirtschaftsministerin. Grünen-Chef Habeck sieht in Lindner keinen Rassisten. Und die AfD hält schon die Debatte für überzogen.

          2 Min.

          Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat in der Rassismus-Debatte um eine Äußerung von FDP-Chef Christian Lindner zur Mäßigung aufgerufen. „Ich finde, wir sollten auch die Kirche im Dorf lassen und jetzt nicht Herrn Lindner die Rassismus-Keule überziehen“, sagte die stellvertretende CDU-Vorsitzende am Rande einer Sitzung des Parteipräsidiums am Montag in Berlin.

          Lindner hatte auf dem FDP-Parteitag eine Anekdote beschrieben, die ihm ein Bekannter mit Migrationshintergrund erzählt habe. Da bestellt jemand beim Bäcker „mit gebrochenem Deutsch ein Brötchen“ – und die Leute in der Schlange wüssten nicht, „ob das der hoch qualifizierte Entwickler Künstlicher Intelligenz aus Indien ist oder eigentlich ein sich bei uns illegal aufhaltender, höchstens geduldeter Ausländer“, sagte Lindner. Diese Unsicherheit könne Angst auslösen.

          Grünen-Chef Robert Habeck bezeichnete Lindners Ausführungen als „dusselig“. Dessen Argumentation sei „schief“ und „falsch“, sagte er der „Bild“. Vom Vorwurf des Alltagsrassismus sprach er Lindner aber frei: „Christian Lindner ist kein Rassist. Da nehme ich ihn gegen jeden Verdacht in Schutz“, sagte Habeck.

          Lischka: „dümmliche Anekdote“

          In sozialen Netzwerken wurde die Äußerung teils als rassistisch gewertet. Auch aus der SPD gab es Kritik an Lindners Rede, der SPD-Innenpolitiker Burkhard Lischka sprach von einer „dümmlichen Anekdote“. Der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen bezeichnete die Diskussion als überzogen.

          Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian Bäumler, kritisierte die Äußerungen von FDP-Chef Christian Lindner zur Furcht vor Zuwanderern scharf. „Mit seiner Stimmungsmache gegen Dunkelhäutige und Hartz-IV-Empfänger mit Flüchtlingsgeschichte betreibt Christian Lindner das Geschäft der AfD“, sagte Bäumler dem „Handelsblatt“. Die FDP spalte damit die Gesellschaft und entferne sich von ihren liberalen Wurzeln. Die Würde jedes Einzelnen habe Lindner auf den „liberalen Friedhof“ befördert, kritisierte Bäumler.

          Die AfD hält die Rassismus-Debatte dagegen für völlig überzogen. „Schön, wenn nun einer wie Lindner, der uns von der AfD permanent und komplett zu Unrecht einer Fremdenfeindlichkeit und eines Rassismus zeiht, die uns vollkommen fremd sind, einmal selbst mit diesem unberechtigten Vorwurf konfrontiert wird“, sagte der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen. Vielleicht werde Lindner aus dieser Episode lernen, diesen Vorwurf „künftig nicht mehr so leichtfertig in den öffentlichen Raum zu stellen“. Ähnlich hatte sich Fraktionschefin Alice Weidel geäußert.

          AfD-Vize Georg Pazderski sagte der Nachrichtenagentur dpa: „Die Altparteien können gar nicht mehr anders, als die Positionen der AfD zu übernehmen, weil sie sonst den Anschluss an die Realpolitik und die Bürger endgültig verlieren.“ Die Liberalen unter Lindner liefen nur dem Trend hinterher, um sich wieder einmal politisch anzubiedern.

          Konstantin Kuhle, innenpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, nahm Lindner in Schutz. „Wenn wir unsere Regeln für Flucht und Einwanderung nicht klar durchsetzen, dann bringt dieses Zaudern alle Einwanderer in Misskredit“, schrieb er am Sonntagabend bei Twitter. Nichts anderes habe Lindner gesagt. „Wer darin Rassismus erkennen will, ist nicht mehr ganz bei Trost.“

          Weitere Themen

          „Es ist nur eine andere Röhre“

          Ostseepipeline : „Es ist nur eine andere Röhre“

          FDP-Vize Kubicki spricht sich dafür aus, Nord Stream 2 „schnellstmöglich“ in Betrieb zu nehmen. Mit dieser Forderung steht er ziemlich alleine da – auch in seiner eigenen Partei.

          „Okay, da war nichts“

          Scholz als Zeuge : „Okay, da war nichts“

          Der Bundeskanzler ist zurück in Hamburg. Dort sagte er als Zeuge im „Cum-Ex“-Ausschuss aus. Eigenes Fehlverhalten bestreitet er weiterhin.

          Topmeldungen

          Kanzler Scholz trat am Freitag als Zeuge vor dem Hamburger Untersuchungsausschuss zum „Cum-Ex“-Skandal.

          Scholz als Zeuge : „Okay, da war nichts“

          Der Bundeskanzler ist zurück in Hamburg. Dort sagte er als Zeuge im „Cum-Ex“-Ausschuss aus. Eigenes Fehlverhalten bestreitet er weiterhin.

          Tanzvideo von Sanna Marin : Darf eine Politikerin feiern?

          Die finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin tanzt ausgelassen mit Freunden, ein Video landet im Netz. Warum glauben manche, ihr Freizeitverhalten sage etwas über ihre Kompetenz?
          In memoriam: 1995 ermordeten bosnische Serben nahe der Stadt Srebrenica etwa 8000 Muslime.

          SWR-Podcast „Sack Reis“ : Genozid, und wie man ihn leugnet

          Im SWR-Podcast „Sack Reis“ kam eine junge Frau zu Wort, die den Völkermord im Bosnienkrieg leugnet. Nun lud die Redaktion die Journalistin Melina Borčak ein, die heftige Kritik geäußert hatte. Ergebnis: ein Desaster.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.