https://www.faz.net/-gpf-d1d

Jugendweihe in der DDR : Kritik an Schwesig wegen Aussagen zur Jugendweihe

  • Aktualisiert am

Manuela Schwesig (SPD) Bild: dapd

Der Sozialministerin von Mecklenburg-Vorpommern und stellvertretenden SPD-Bundesvorsitzenden Manuela Schwesig wird vorgeworfen, die Geschichte der Jugendweihe zu verklären. Auf einer Jugendweiheveranstaltung hatte sie am Wochenende von einer „demokratischen Tradition“ gesprochen.

          1 Min.

          Die Sozialministerin von Mecklenburg-Vorpommern Manuela Schwesig, die auch stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende ist, hat eine Diskussion über die Jugendweihe ausgelöst. Auf einer Jugendweiheveranstaltung hatte sie am Wochenende von einer „demokratischen Tradition“ gesprochen. Sie hatte sich dabei auf Rosa Luxemburg und deren Satz: „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“ bezogen. Die Gesinnungsgenossen der Mörder, setzte sie fort, seien 1933 an die Macht gekommen und hätten verboten, was ihnen nicht passte: „So auch die gute Tradition der Jugendweihe, denn sie war eine demokratische Tradition.“ Über die Rolle der Jugendweihe in der DDR sagte die 1974 geborene Frau Schwesig, die 1988 selbst an der Jugendweihe teilgenommen hatte, nichts.

          Der Landesverband der Jungen Union (JU) warf der Ministerin vor, die Geschichte der Jugendweihe zu verklären. Die Jugendweihe sei in der DDR bewusst als Alternative zu Firmung und Konfirmation funktionalisiert worden, um die Ideen des Sozialismus zu transportieren, hieß es. Jugendliche seien zur Teilnahme gezwungen worden, weil ihnen sonst Nachteile drohten. „Eine verkürzte Darstellung unter Auslassung der Instrumentalisierung der Jugendweihe in der DDR ist Verklärung.“ Die Ministerin erhielt daraufhin Unterstützung von den Jungsozialisten (Jusos). Die Jugendweihe habe eine lange Tradition, die in Zeiten vor der DDR und dem Nationalsozialismus zurückreiche. „Es hat ja auch keiner vor, der CDU die ‚gute demokratische Tradition in Abrede zu stellen und ihr die 40 Jahre als Blockpartei und ihre Rolle in der DDR vorzuwerfen.“

          Freilich liegt die Tradition der Jugendweihe in der „revolutionären deutschen Arbeiterbewegung“ und war bewusst als Gegenstück zu Konfirmation und Kommunion entwickelt worden. In der DDR diente die Jugendweihe der kommunistischen Erziehung von Jugendlichen im 8. Schuljahr. Dem eigentlichen Festakt ging eine politisch-ideologische Schulung voraus. Die Jugendweihe hat weitgehend unbeschadet das Ende der DDR überstanden. Die meisten Jugendlichen im Osten feiern sie. Allerdings ist ihre Zahl deutlich zurückgegangen, was freilich auch der demografischen Entwicklung geschuldet ist. Um die Jahrtausendwende waren es in Deutschland weit mehr als 90.000 Teilnehmer, im vergangenen Jahr nicht einmal mehr 30.000.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.