https://www.faz.net/-gpf-9d5ik

Juden und Muslime in Auschwitz : Gemeinsam gegen den Hass

  • Aktualisiert am

Junge Muslimas legen im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz während einer interreligiösen Gedenkfeier Blumen nieder. Bild: dpa

Menschen jüdischen und muslimischen Glaubens haben ein Zeichen gegen Geschichtsvergessenheit gesetzt: In Auschwitz haben sie gemeinsam der Opfer des Nationalsozialismus gedacht und einen Kranz niedergelegt.

          Junge Juden und muslimische Flüchtlinge aus Deutschland haben in der KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau gemeinsam an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Am Donnerstag hielten sie eine interreligiöse Feier mit anschließender Kranzniederlegung in dem ehemaligen Konzentrationslager der Nazis ab. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, bekannte sich zu einer Verantwortung von deutschen Muslimen für ihr Land. Der frühere Landesrabbiner Henry G. Brandt appellierte an die Teilnehmer, unabhängig von der Religionszugehörigkeit zuerst den Menschen in einem Gegenüber zu sehen.

          Die 25 Teilnehmer der eine Woche langen Reise nach Polen, die an diesem Freitag zu Ende geht, kamen aus Thüringen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Die Flüchtlinge stammen aus Syrien und dem Irak. An der Feier und Kranzniederlegung nahmen die Ministerpräsidenten von Thüringen, Bodo Ramelow (Linke), und Schleswig-Holstein, Daniel Günther (CDU), sowie die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien (CDU) teil. Es ist ein Projekt der Union progressiver Juden in Deutschland und des Zentralrats der Muslime in Deutschland.

          Auschwitz als „Ort des unbeschreiblichen menschlichen Leids ist ein furchterregendes Symbol für die Entrechtung, Entmenschlichung und Verfolgung von Millionen Menschen, für den von Deutschen begangenen Zivilisationsbruch, der Schoah“, betonte Mazyek laut Redemanuskript. „Wir deutschen Muslime bekennen damit, uns für den Erhalt unseres Rechtsstaates einzusetzen, wir bekennen uns zu unserer freiheitlichen Demokratie, zu unserer von Vielfalt geprägten, pluralen Gemeinschaft in Deutschland.“

          „Der Anfang eines friedlichen Zusammenlebens“

          Es müsse alles unternommen werden, „damit sich eine derartige Katastrophe wie die Schoah niemals wiederholen kann. Weder in unserem Land noch sonst wo auf dieser Welt“, sagte Mazyek. „Jede Form von Antisemitismus, gruppenspezifische Menschenfeindlichkeit und Rassismus ist eine Sünde im Islam.“ Er wandte sich zudem gegen „Schlussstrich“-Forderungen: „Mit uns wird es diesen Relativismus, diesen Hang zur Geschichtsvergessenheit nicht geben und mag er sich noch so billig der Meinungsfreiheit bedienen und sich als intellektuelles Schwert maskieren.“

          Brandt betonte, dass alle Menschen als Ebenbild Gottes erschaffen worden seien. Sie sollten nicht zuerst über ihre Herkunft oder religiöse Zugehörigkeit definiert werden, sondern man solle erkennen: „Er ist ein Mensch.“

          Im Vorfeld der Reise hatte die Generalsekretärin der Union progressiver Juden, Irith Michelsohn, der Katholischen Nachrichten- Agentur (KNA) gesagt, dass es nun die Chance gebe, dass sich junge Menschen verschiedener Religionen austauschten. „Dies kann der Anfang eines friedlichen Zusammenlebens in Deutschland werden.“

          Rabbiner Brandt sagte der KNA am Donnerstag, dass der Kreis der Reisenden zwar nicht so groß sei, dass er die Gesellschaft verändern könne. Aber: „Steter Tropfen höhlt den Stein.“ Gespräche zu führen und sich kennenzulernen, sei wesentlich. „Denn wer den anderen kennt, ist gefeit vor Hass.“

          Weitere Themen

          Es klemmt beim Brexit Video-Seite öffnen

          May auf Europareise : Es klemmt beim Brexit

          Am Montag hatte May die geplante Brexit-Abstimmung im britischen Unterhaus vorerst abgesagt, da sie nicht mit der erforderlichen Mehrheit für die Austritts-Vereinbarung rechnen konnte.

          Topmeldungen

          Russische Bomber für Maduro : Kalter Krieg in Venezuela

          Russland hat zwei atomwaffenfähige Bomber nach Venezuela geschickt. Die Regierung in Washington ist empört. Venezuelas Verteidigungsminister versucht zu beschwichtigen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.