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Deutschlandtag in Berlin : JU wählt Tilman Kuban zum Vorsitzenden

Tilman Kuban, Kandidat für den Vorsitz der JU spricht beim außerordentlichen Deutschlandtag der Jungen Union. Bild: dpa

Der 31 Jahre alte Niedersachse setzt sich auf einem außerordentlichen Parteitag der Jugendorganisation der Unionsparteien gegen seinen Thüringer Mitbewerber Stefan Gruhner durch. Sein Vorgänger wirkt lange so, als wäre er am liebsten im Amt geblieben.

          Die Junge Union hat ein neues und jüngeres Gesicht: der 31 Jahre alte Tilman Kuban setzte sich auf einem außerordentlichen Parteitag der Jugendorganisation der Unionsparteien gegen Stefan Gruhner durch. Der aus Thüringen stammende Gruhner wäre der erste Ostdeutsche als Anführer der Parteijugend gewesen; seine Kandidatur genoss deswegen Sympathien in der Führung der Unionsparteien. Kuban erhielt 200 Stimmen, für Gruhner votierten 119 Delegierte. Kuban stammt aus Niedersachsen und war dort in den vergangenen fünf Jahren Landesvorsitzender der Jungen Union. Er wurde außer von seinem Heimatverband maßgeblich auch von Delegierten aus Nordrhein-Westfalen und Bayern unterstützt. Kuban beteuerte in seiner Kandidatenrede, die Junge Union werde es in Zukunft nicht zulassen, „wenn sich unsere Mutterparteien mit vermeintlichen Wohltaten“ an die Wähler „und nicht mit Zukunftsthemen befassen.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Kuban folgt im JU-Vorsitz auf Paul Ziemiak, der die Jugendorganisation der Unionsparteien fünf Jahre lang geführt hatte, im vergangenen Dezember aber von der neuen CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer zum Generalsekretär der CDU berufen wurde. In seiner Abschiedsrede weckte Ziemiak fast den Eindruck, als wäre er lieber weiter Vorsitzender der Jungen Union geblieben; sie war geprägt von wehmütigen Erinnerungen an Kampagnen und Aktionen, die er für die Parteijugend von CDU und CSU verantwortete, etwa eine Werbekampagne für das (gescheiterte) transatlantische Freihandelsabkommen TTIP oder eine Reklameaktion für die Lehrlingsausbildung, in deren Verlauf die JU „den längsten Zollstock der Welt“ zusammenfügte – ein Unternehmen, das sogar, wie Ziemiak hervorhob, im Guinness-Buch der Rekorde verzeichnet wurde.

          Erst am Ende des artig bejubelten Auftritts der neuen CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauers, als Ziemiak neben seiner neuen Chefin auf der Bühne stand  und sie händehaltend eine Siegerpose markierten, wirkte er wie jemand, der Generalsekretär der CDU geworden ist. Sein CSU-Kollege Markus Blume trat auch hinzu, um das Familienbild der Harmonie zu vervollständigen. Blume hatte zuvor in immer neuen Schleifen die Einheit der Unionsparteien beschworen. Er sagte mit Blick auf das zurückliegende Zerwürfnis zwischen CDU und CSU in der Asyl- und Flüchtlingspolitik, das auch die gemeinsame Jugendorganisation an den Rand der Spaltung geführt hatte, „wir wissen ja alle, was das Problem war“; es seien „sachliche Unterschiede“ nicht offen angesprochen, sondern zugedeckt worden.

          Kramp-Karrenbauer appellierte im Blick auf die Europawahl und die Landtagswahlen in Bremen und drei ostdeutschen Ländern an die Geschlossenheit der Partei. Sie kündigte an, im nächsten Herbst werde auch die Union prüfen, ob die Koalitionsvereinbarung mit der SPD ergänzt werden müsse. Die Sozialdemokraten wollen der Revision des Koalitionsvertrages einen eigenen Parteitag widmen. Kramp-Karrenbauer sagte, auch die Unionsparteien müssten „die Kraft haben, etwas zu ändern“, wenn die Umstände sich geändert hätten gegenüber jenem Zeitpunkt, zu dem der Koalitionsvertrag geschlossen worden war.

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