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Jobvermittler : Der Arbeitsbeschaffer

  • -Aktualisiert am

Dahinter lauert die Arbeit: Jobvermittlungsbüro Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Wie der private Jobvermittler Lars Naundorf in Gera Arbeitslosen wieder eine Stelle besorgt - gegen den Protest von Hartz-IV-Gegnern. Doch trotz Erfolg ist Naundorfs Zukunft ungewiß, denn Jena zahlt für Vermittlungen kein Geld mehr.

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          Lars Naundorf hat in seiner Heimat Thüringen ein Zeichen gesetzt. Ausgerechnet in Gera, einer ehemaligen Bezirkshauptstadt der DDR mit starker PDS-Wählerschaft, die in ihrem Internetauftritt keinen Hinweis darauf unterläßt, daß ihre Wirtschaftsdaten zu den schlechtesten in Deutschland zählen, hat sich der gelernte Handelsfachwirt als privater Arbeitsvermittler selbständig gemacht.

          Der Name des Unternehmens ist Programm: No Limits. Mit der Insolvenz einer Kaufhauskette war der 31 Jahre alte Naundorf selbst arbeitslos geworden. Gegen den Rat der Freunde gründete er in Gera sein Unternehmen. 2002 vermittelte er zehn Arbeitslose, 2003 waren es 100, ein Jahr darauf 160, im vorigen Jahr 238, und bis Ende Juli 2006 waren es 178.

          Von Demonstrationsteilnehmern beschimpft

          Acht Beschäftigten gibt No Limits mittlerweile Arbeit. Zu Jahresbeginn kam eine Niederlassung in einem Einkaufszentrum in Jena hinzu, weil in Gera trotz einer offiziellen Arbeitslosenquote von 18 Prozent nicht genug Bewerber für die freien Stellen zu finden waren.

          Auf Arbeit warten
          Auf Arbeit warten : Bild: dpa

          Im vorigen Jahr bot Naundorf mehr als hundert freie Stellen auf einer Montagsdemonstration gegen die Hartz-Gesetze an. Von den Demonstrationsteilnehmern wurde er dafür beschimpft. Am folgenden Montag änderten die Hartz-Gegner während der Demonstration den Verlauf ihres Protestzuges, um bloß nicht noch einmal an Naundorfs Tapeziertisch mit den freien Stellen konfrontiert zu werden.

          Um Jobsuchende und Unternehmer näherzubringen, organisiert Naundorf Fußballspiele mit Mannschaften von Arbeitgebern, Arbeitsagentur und Arbeitslosen. Für seine Firmenkunden will Naundorf eine ausgegliederte Personalabteilung sein. 90 Prozent der Unternehmen in der Region haben weniger als zehn Mitarbeiter. Naundorf schickt den Unternehmen nicht Dutzende Bewerber, wie die Arbeitsagentur, sondern nur zwei oder drei ausgesuchte.

          Je Vermittlung maximal 2000 Euro

          Um die Richtigen zu finden, überprüft er selbst deren Lebenslauf. Jüngst kam er einem Kellner auf die Schliche. Der hatte ein Zeugnis des Luxushotels „Vier Jahreszeiten“ in Hamburg der Bewerbung beigelegt. Die Nachfrage beim vermeintlichen früheren Arbeitgeber ergab, daß der Mann dort nie tätig war.

          Mit seiner Strategie hat Naundorf Erfolg. 84 Prozent der von ihm vermittelten Arbeitsuchenden überstehen die Probezeit im neuen Betrieb, weitaus mehr als sonst üblich. Von der Arbeitsagentur erhält Naundorf je Vermittlung maximal 2000 Euro. Die erste Hälfte fließt sechs Wochen nach Arbeitsbeginn, die zweite erst nach erfolgreichem Bestehen der Probezeit.

          Doch Arbeitslose und Arbeitgeber sind kaum bereit, für die Vermittlung selbst zu zahlen „Die Subventionsmentalität, auch unter den Unternehmern, ist unglaublich groß. Die Leute nehmen nur, sie zahlen nicht. Man erwartet.“

          Arbeitgeber mehrfach verprellt

          Naundorf hat in seinem Büro seit Jahresbeginn schon drei Ordner mit der Aufschrift „Knif“ angelegt. „Knif“ steht für „Kommt nicht in Frage“. In einem Ordner finden sich die Unterlagen von 20 Arbeitgebern, die sich als solche disqualifiziert haben, weil sie etwa Bewerber entgegen der Absprache nur für ein paar Wochen einstellten, um kurzfristig einen Personalmangel während der Urlaubszeit zu überbrücken. In den beiden anderen Ordnern stecken die Daten von 70 Bewerbern, die einen Arbeitgeber schon mehrfach verprellt haben.

          Die Leistungsbilanz seiner staatlichen Konkurrenz von der Bundesagentur für Arbeit sieht Jobvermittler Naundorf kritisch. Die Milliarden Euro an Arbeitsförderung verzerrten den Markt und schafften keine Stelle.

          Mini-Jobs vom Staat subventioniert

          Naundorf berichtet von einem qualifizierten Bewerber, der sich aus ungekündigter Stellung heraus bei einem Elektronik-Markt beworben hatte, um sich zu verbessern. „Sie kommen nicht in Frage. Sie sind nicht förderungswürdig“, lautete die Ablehnung.

          Zahlreiche Arbeitgeber, vor allem große Firmen mit den professionellen Personalabteilungen, sagt Naundorf, mißbrauchten die Möglichkeit von Hartz-IV-Empfängern, sich noch 165 Euro im Monat hinzuzuverdienen. Statt reguläre Arbeitsverhältnisse zu schaffen, in denen die Mitarbeiter in die öffentlichen Sozialsysteme einzahlten, entstünden Mini-Jobs, die vom Staat subventioniert werden.

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