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Bayerischer Verfassungsschutz : Islamisten verstärken Propaganda im Internet

  • -Aktualisiert am

Landesinnenminister Joachim Herrmann (CSU) bei der Vorstellung des bayerischen Verfassungsschutzberichts in München. Bild: dpa

Verfassungsschützer beobachten besorgt die Internetpropaganda des „Islamischen Staates“. Die Terrorgruppe nutzt die ganze Bandbreite der modernen Kommunikationstechnologie, um Unterstützer anzuwerben.

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          Besorgt über den Einfluss islamistischer Propaganda auf Minderjährige hat sich am Montag der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) geäußert. Islamistische Gruppierungen passten sich bei ihren Aktivitäten im Internet der Lebenswelt junger Menschen an und verwendeten Symbole aus der Alltagskommunikation.

          Sie seien auch in sozialen Netzwerken präsent und böten logistische Unterstützung an, um in die Kampfgebiete zu kommen. Insbesondere die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) nutze das ganze Spektrum der modernen Informations- und Kommunikationstechnologie, sagte Herrmann bei der Vorstellung des Halbjahresberichts des bayerischen Verfassungsschutzes.

          Der bayerische Innenminister schätzte, dass mehr als 720 Islamisten aus Deutschland nach Syrien und den Irak gereist seien, um dort zu kämpfen. Innerhalb von zwei Jahren habe sich damit die Zahl der Dschihadisten, die aus Deutschland stammten, verzehnfacht. Allein aus Bayern seien mehr als 65 Personen nach Syrien und den Irak aufgebrochen oder beabsichtigten dies.

          Im Bericht des Verfassungsschutzes wird das Beispiel einer Minderjährigen aus dem Raum München genannt, die Anfang dieses Jahres über die Türkei nach Syrien gelangt sei. Der IS nutze sie als Werbeträgerin, um weitere junge Frauen für sich zu gewinnen. In sozialen Netzwerken verbreite die Minderjährige schwärmerische Berichte über das Leben unter der Herrschaft des IS.

          Nach den Beobachtungen des Verfassungsschutzes haben deutschsprachige Websites, die einen Bezug zum IS haben, stark zugenommen. Es gehöre zur Kommunikationsstrategie der Terrorgruppe, sich auch an Adressaten zu wenden, die nicht des Arabischen mächtig seien. Internetportale böten deutschsprachige Versionen von Magazinen und Videos an.

          Neben einer Glorifizierung militärischer Erfolge werde versucht, eine Normalität zivilen Lebens in den vom IS beherrschten Gebieten zu suggerieren. Neben den Internetportalen würden offene und verschlüsselte Kommunikationsplattformen genutzt. Für den internen Austausch würden verstärkt Instant-Messaging-Gruppen genutzt. Im Verfassungsschutzbericht wird eine Whatsapp-Gruppe genannt, die der im Herbst aus Bayern ausgewiesene Salafist Erhan Aydeniz betrieben habe.

          Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes sind beim Aufbau einer dschihadistischen „Cyber-Armee“ auch Personen mit Bezug zu Deutschland beteiligt. Diese Personen erstellten gegenwärtig Schadsoftware zu Propagandazwecken. Sie seien noch nicht in der Lage, Steuerungsysteme von Industrie- oder Infrastrukturanlagen anzugreifen, seien aber bestrebt, solche Fähigkeiten zu erlangen. Herrmann wollte am Montag nicht ausschließen, dass nach den Vereinigten Staaten und Israel auch Deutschland Ziel von Cyberangriffen werden könne. Deutsche Unternehmen sollten ihre IT-Strukturen überprüfen und verbessern.

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