https://www.faz.net/-gpf-a853b

F.A.Z. exklusiv : Landkreise kritisieren Spahns Corona-Software

Sormas bereits im Einsatz: Mitarbeiter in der Kontaktnachverfolgung des Gesundheitsamtes Berlin-Mitte Bild: dpa

Die Bundesregierung will eine einheitliche Software in den Gesundheitsämtern einführen. Die Landkreise wehren sich dagegen – sie befürchten Mehraufwand und Datenverluste.

          2 Min.

          Der Landkreistag kritisiert die Einführung der einheitlichen digitalen Nachverfolgungssoftware Sormas für Gesundheitsämter scharf. Das geht aus einem Brief hervor, welcher der F.A.Z. exklusiv vorliegt.

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          Der Verband, der 290 der 400 kommunalen Gesundheitsämter vertritt, schreibt an Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU): „Wir halten das Ziel einer flächendeckenden Einführung [von Sormas] deshalb weder für erstrebenswert, noch derzeit erreichbar.”

          Bis Ende Februar soll in allen Gesundheitsämtern die Software Sormas (Surveillance Outbreak Response Management and Analysis System) installiert werden. So geht es aus dem Beschluss der Ministerpräsidenten und der Bundeskanzlerin vom 19. Januar 2021 hervor. Wie die F.A.Z. berichtete, gibt es in einzelnen Bundesländern erhebliche Bedenken. Kommunen kritisieren das Vorgehen bei der einheitlichen Digitalisierung. Bislang nutzt laut Bundesgesundheitsministerium nur ein Drittel der Kommunen die Software.

          Während die Bundesregierung vor allem darauf dringt, das einheitliche Programm Sormas, bzw. die Weiterentwicklung Sormas-X einzuführen, dringen viele Kommunen darauf, die bestehenden, teilweise sehr unterschiedlichen Softwareanwendungen miteinander zu verbinden.

          Wissen war nie wertvoller

          Sichern Sie sich mit F+ 30 Tage lang kostenfreien Zugriff zu allen Artikeln auf FAZ.NET.

          JETZT F+ LESEN

          So fordern die Landkreise, den Datenaustausch zwischen Gesundheitsämtern besser zu ermöglichen und die bestehende IT-Infrastruktur besser bundesweit zu integrieren. Bislang ist es in den meisten Bundesländern so, dass Corona-Fälle zweier angrenzender Kommunen in den zuständigen Gesundheitsämtern nicht verbunden werden. Das heißt, wenn sich zwei Personen in einer Stadt anstecken, aber in unterschiedlichen Kommunen gemeldet sind, werden die Daten der sogenannten Indexfälle nicht verbunden; das erschwert die Kontaktnachverfolgung teilweise erheblich. Die Landkreise dringen nun darauf, die Schnittstellenproblematik zu lösen, statt auf die bundesweite Einführung von Sormas zu setzen. 

          Landkreise dringen auf Schnittstellen

          In vielen Kommunen gibt es Unmut über die Einführung von Sormas. Die Landkreise argumentieren, ihre Gesundheitsämter seien bereits digitalisiert und hätten keinen Bedarf für eine neue Software. Es fehle hingegen der digitale Meldeweg. Den Vorwurf, den auch Minister Spahn erhoben hatte, die Gesundheitsämter würden noch faxen und seien deshalb womöglich nicht auf der Höhe der Pandemiebekämpfung, spielen sie im vorliegenden Brief zurück: „Wir waren vielfach gezwungen, mit dem Robert Koch-Institut u. a. via Fax zu kommunizieren“, schreiben die Landkreise, weil man Meldungen nicht aus den bestehenden digitalen Systemen habe heraussenden können. „Es bedarf deshalb vordringlich der Lösung dieser Schnittstellenfrage und der davon betroffenen automatisierten Datenübermittlungen.“

          Da sich Sormas nicht mit den bestehenden Systemen kompatibel sei, sehen die Landkreise die Gefahr „von erheblichen Mehrbelastungen“, doppelten Datensätzen und einer zusätzlichen Belastung der Beschäftigten. Sie erwarten erhebliche Probleme bei der Datenmigration aus anderen, bereits bestehenden Systemen, befürchten teilweise einen Datenverlust bei der Übertragung.

          Außerdem bemängelt der Kommunalverband die Kompatibilität mit bestehenden Systemen und sieht Hinweise darauf, dass bereits „Fallzallen im oberen fünfstelligen Bereich” nach dem „derzeitigen Stand der Technik“ von Sormas nicht verarbeitet werden könnten.

          Weitere Themen

          Haseloff in der Defensive

          Nach Werbung für Söder : Haseloff in der Defensive

          Als erster Parteigrande warb Sachsen-Anhalts Ministerpräsident für Söders Kandidatur – und beanspruchte, für die ostdeutsche CDU zu sprechen. Damit hat sich Reiner Haseloff vor der Landtagswahl in eine schwierige Lage gebracht.

          Topmeldungen

          Sven Schulze, Vorsitzender der CDU Sachsen-Anhalt, enthüllt ein Wahlplakat der CDU, auf dem ein Porträt des Ministerpräsidenten Reiner Haseloff zu sehen ist.

          Nach Werbung für Söder : Haseloff in der Defensive

          Als erster Parteigrande warb Sachsen-Anhalts Ministerpräsident für Söders Kandidatur – und beanspruchte, für die ostdeutsche CDU zu sprechen. Damit hat sich Reiner Haseloff vor der Landtagswahl in eine schwierige Lage gebracht.
          Lecker und nahrhaft: Käsebrot

          Mythen zur Fitness-Ernährung : Ein Käsebrot tut’s auch

          Ohne Shakes und Proteinpudding Muskeln aufbauen – geht das? Und vernichten Kohlenhydrate wirklich jede Strandfigur? Unsere Autorin hat fünf Mythen zum Thema Fitness-Ernährung geprüft.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.