https://www.faz.net/-gpf-a6ow1

Gesundheitsminister Spahn : „Impfen ist der Weg aus der Krise“

  • Aktualisiert am

Jens Spahn am Mittwoch in Berlin Bild: dpa

Am Freitag wird Gesundheitsminister Spahn festlegen, wer wann geimpft werden kann. Anfangen werde man bei jenen, denen der Schutz zusätzliche Lebensjahre bringe, sagt er. Das geschehe auch, um Krankenhäuser zu entlasten.

          5 Min.

          Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat kurz vor seiner Unterzeichnung der Impfverordnung die darin geregelte Prioritätensetzung mit dem größten Effekt für diese Gruppen begründet. Die Menschen, die als erstes geimpft werden sollen, seien in drei Gruppen eingeordnet, sagte er am Freitag im  ZDF-„Morgenmagazin“ Damit weicht er von der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) ab, die fünf Gruppen vorgeschlagen hatte. „Durch die Einordnung in drei Gruppen ist eine gewisse Flexibilität vor Ort möglich“, sagte er. An der Reihenfolge, in der Bürger Impfungen erhalten können, habe sich jedoch nichts geändert, auch nicht an der „Definition der Gruppen“. „Das haben wir zu 99 Prozent übernommen“.

          Angefangen werde bei jenen, für die der Impfschutz zusätzliche Gesundheit und Lebensjahre bringe. „Wir fangen jetzt mit den über Achtizgährigen, den Höchstbetagten, den Pflegebedürftigen und denjenigen, die sie pflegen und betreuen, an.“ Diese Gruppe sei schon sehr groß – und besonders gefährdet.

          Spahn sagte, durch die Impfungen der über Achtizgährigen und der Pflegebedürftigen könne man Krankenhauseinweisungen sowie schwerste und tödlichste Verläufe vermeiden. „Die hohen Todeszahlen haben wir genau in dieser Altersgruppe.“ Die Konkretisierung, wer geimpft wird, müsse aber regelmäßig angepasst werden, etwa wenn im Januar neue Impfstoffe zur Verfügung stünden. „Das Impfen ist der Weg raus aus dieser Pandemie“, betonte Spahn.

          An diesem Freitag will Spahn die Verordnung vorstellen und in Kraft setzen, die festlegt, in welcher Reihenfolge die Bürger Anspruch auf die Impfung haben. Das von den Firmen Biontech und Pfizer entwickelte Vakzin dürfte am Montag in der EU und damit auch in Deutschland zugelassen werden.

          Die zuständige europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte ihre Entscheidung über den Impfstoff um acht Tage vorgezogen. Es wird allgemein mit einem positiven Entscheid gerechnet. Auch ihre Entscheidung über ein zweites Vakzin gegen das Coronavirus – jenes des amerikanischen Herstellers Moderna – will die EMA vorverlegen, nämlich um sechs Tage auf den 6. Januar, wie sie am Donnerstag mitteilte.

          Nur drei Gruppen

          EU-weit sollen die Impfungen mit dem von der Mainzer Firma Biontech und deren Partner Pfizer entwickelten Impfstoff laut Spahn am 27. Dezember starten. Da anfangs nur eine begrenzte Menge an Dosen zur Verfügung steht, kommt der Abfolge der Impfkampagne nach Bevölkerungsgruppen eine große Bedeutung zu. Spahn will seine entsprechende Verordnung am Freitag ab 11.00 Uhr in einer Pressekonferenz erläutern.

          Wissen war nie wertvoller

          Vertrauen Sie auf unsere fundierte Corona-Berichterstattung und sichern Sie sich mit F+ 30 Tage freien Zugriff auf FAZ.NET.

          JETZT F+ KOSTENLOS SICHERN

          Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland unter Berufung auf den Verordnungstext in der Nacht berichtete, folgt Spahn nur teilweise den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) beim Robert-Koch-Institut.

          Schutzimpfungen mit höchster Priorität sollen laut RND Menschen ab dem 80. Lebensjahr sowie Pflegekräfte mit sehr hohem Infektionsrisiko erhalten. Auch Pfleger, deren Patienten ein hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf haben, zählen zu dieser Gruppe.

          Zur zweiten Kategorie mit hoher Priorität zählen demnach alle Menschen ab 70 Jahren sowie Menschen mit einem hohen Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Auch enge Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen und Schwangeren dürfen sich laut RND dann impfen lassen, dasselbe gilt für Menschen in Asyl- oder Obdachlosenunterkünften.

          „Ein wichtiger Schutzwall“

          Die dritte Gruppe beinhaltet dem Bericht zufolge alle Menschen ab 60 Jahren oder mit erhöhtem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Auch Mitarbeiter „in besonders relevanten Positionen in staatlichen Einrichtungen“, wie etwa in den Regierungen, bei der Polizei, Feuerwehr, im Bildungssektor und in der Justiz sollten dann geimpft werden.

          Ärztepräsident Klaus Reinhardt forderte eine bevorzugte Impfung auch von niedergelassenen und ambulant tätigen Ärzten. Es sei für die Bewältigung der Pandemie „riskant“, wenn diese Ärzte in der Prioritätenliste „weiter unten“ stünden, sagte er der „Rheinischen Post“.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Joe Biden am Mittwoch bei einer Fernsehansprache im Weißen Haus.

          Abzug aus Afghanistan : Biden zieht einen Schlussstrich

          Bis zum 11. September sollen die Soldaten aus Afghanistan abziehen – dann endet Amerikas längster Krieg. Zurück bleibt ein ungutes Gefühl. Doch der Präsident sieht Amerika mitten in einem weit größeren Konflikt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.