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Jeb Bush in Berlin : Ein Kandidat, der noch keiner ist

  • -Aktualisiert am

Jeb Bush mit seiner Frau und Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin. Bild: Reuters

Jeb Bush gilt als inoffizieller Kandidat der Republikaner für die amerikanische Präsidentenwahl 2016. Bei einem Besuch in Berlin zeigte er bereits seine staatsmännischen Qualitäten.

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          Überaus wohlwollend hat Kurt Lauk, der nun ehemalige Präsident des CDU-Wirtschaftsrates, seinen Gast – John Ellis Bush, genannt Jeb – begrüßt: „Ohne Vater Bush hätte es keine deutsche Wiedervereinigung geben können“, würdigte Lauk die Verdienste des 41. Präsidenten der Vereinigten Staaten. Den Sohn behandelte er wie einen, der seinen Willen, 45. Präsident zu werden, schon bekundet hat. Gewiss werde Bush das am kommenden Montag tun, lautete Lauks Darstellung. Und irgendwo, sagte er, habe er gelesen, Bush habe seinen Mitarbeiterstab neu zusammengesetzt – wahrscheinlich doch wegen des bevorstehenden Wahlkampfes zunächst innerhalb der amerikanischen Republikaner.

          Bush konterte, wie es Politiker gerne tun. Von seinem neuen Team wisse er gar nichts, was er aber gewiss herausfinden werde, wenn er zurück zu Hause sei. Das Publikum lachte wissend. Auch Bush ließ keine Zweifel an seinen Absichten aufkommen. Warum er in Berlin, der deutschen Hauptstadt sei, und nicht in Berlin (New Hampshire), oder in Berlin (Iowa), schien er sich und die Zuhörer zu fragen. Seine Antwort: Weil der nächste Präsident der Vereinigten Staaten, wer immer es sei, Verpflichtungen auch Deutschland gegenüber habe, und Berlin sei geprägt vom Geist der Freiheit.

          Für das Protokoll der Bundesregierung war der Empfang des amerikanischen Noch-nicht-Kandidaten eine heikle Angelegenheit – wie auch damals im Juli 2008, als sich Barack Obama in der deutschen Hauptstadt aufhielt. Der hatte eigentlich am Brandenburger Tor auftreten wollen, vor, wie erwartet wurde, 20000 Menschen, was durch Interventionen des Bundeskanzleramtes verhindert wurde. Das hatte wiederum dazu geführt, dass Obama vor 200.000 Menschen an der benachbarten Siegessäule auftrat. Auch im Kanzleramt wurde Obama empfangen. Gespräch – und als protokollarische Besonderheit: Bildtermin.

          Auch im Auswärtigen Amt war Obama damals. Gespräch mit dem Minister, damals auch Frank-Walter Steinmeier. Bildtermin. Obama freilich hatte da schon die Mehrheit des Kongresses der Demokratischen Partei hinter sich. Er war designiert. Die offizielle Nominierung zum Kandidaten sollte wenige Tage später erfolgen. Berlin stand Kopf. Die Sache mit der Nicht-Rede am Brandenburger Tor fand sich über Jahre in allen Geschichten, die sich mit dem Verhältnis zwischen Merkel und Obama befassten.

          Keine Bildterme mit Schäuble und Steinmeier

          Nun also Jeb Bush, der Noch-nicht-Kandidaten-Kandidat. Gespräche zum Kennenlernen und zum Fragen über den gesamten Bereich der Politik – Russland und die Ukraine, Europa und der Euro, Finanzpolitik und Haushaltskonsolidierung. Zwei Minister der Regierung Merkel sprachen mit Bush. Feine Unterschiede waren zu registrieren. 60 Minuten lang wurde er von Wolfgang Schäuble (CDU), dem Bundesfinanzminister, in dessen Büro empfangen. Hernach hieß es, es sei ein „hohes Maß an Übereinstimmung“ festzustellen. 45 Minuten lang sprach er mit Frank-Walter Steinmeier (SPD), dem Außenminister, auch in dessen Büro. Von einem „angeregten Gespräch über Fragen der internationalen Agenda“ war dann die Rede. Die Formel vom „hohen Maß an Übereinstimmung“ wurde vermieden. Sogenannte Bildtermine gab es nicht.

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