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„Echo“ für umstrittene Rapper : Zivilcourage? Tote Hose.

Die Rapper Kollegah (links) und Farid Bang bei der „Echo“-Verleihung. Bild: dpa

In den Texten der Rapper Kollegah und Farid Bang gehören die Erniedrigung von Juden und Antisemitismus zur Leitkultur. Ihnen einen Preis zu verleihen, ist ein starkes Stück. Ein Kommentar.

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          Es ist ein starkes Stück, was sich bei der Verleihung des Musikpreises „Echo“ in Berlin abgespielt hat. In der Kategorie „Hip-Hop/Urban National“ erhielten die Rapper Kollegah und Farid Bang den Preis. Die beiden Musiker provozieren mit Texten, in denen Frauen meist als „Huren“ auftreten, gerne auch mal vergewaltigt werden, in denen sich Gewaltorgien und Menschenverachtung durch die Verse ziehen und zu deren Leitkultur die Erniedrigung von Juden und Antisemitismus gehören.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Zur verlogenen Rechtfertigung der beiden sogenannten Künstler gehört es, dass ihre Werke nur begreifen könne, der wisse, was ein „Battlerap“ sei – die rituelle und hyperventilierende Herabwürdigung („Dissen“) anderer, um sich selbst den Respekt des Stärkeren zu verschaffen. Was die Rapper anrichten, ist ihnen egal – wahrscheinlich fühlen sie sich sogar noch als die sozialen Ritter der Gewaltfreiheit im Getto abgehängter Parallelgesellschaften.

          Es gehe beim „Echo“ um Masse, nicht Klasse, so lautet eine der Entschuldigungen, warum der Preis dennoch verliehen wurde – prämiert werden schließlich Verkaufserfolge. Wichtiger war aber die Entscheidung der Jury, die Nominierung der beiden Männer überhaupt zuzulassen, und zwar „im Sinne der Kunstfreiheit“.

          Wenigstens Campino protestierte auf offener Bühne

          So lassen sich in Deutschland mittlerweile selbst Antisemitismus, Vergewaltigung und Menschenverachtung als Kulturgut verkaufen: Man muss die dümmste Verpackung nur zur Kunst erklären. Und es braucht 550 Mitläufer (Verzeihung: Juroren), von denen nicht ein einziger den Mut hatte, dieser Farce den Rücken zuzukehren.

          Wenigstens Campino, der Frontsänger der Toten Hosen, hatte den Mumm, auf offener Bühne zu protestieren (seinen Preis hat er natürlich schön behalten). Auch er hatte allerdings gewisse Argumentationsnöte. Denn „im Prinzip“ halte auch er Provokationen für gut – wer will schon als konservativer Spießer dastehen?

          Campino forderte Grenzen und ein Bewusstsein dafür, „was noch erträglich ist“. Dafür klammerte er sich an das politisch Korrekte – was zwei Sänger, die sich ihrer Brutalität und Rücksichtslosigkeit rühmen, nur milde belächeln werden. Ihren Kritikern drohen sie offen mit Gewalt. Das wirkte auch noch am Abend der Preisverleihung (und auch schon davor?). Niemand will sich mit ihnen anlegen. Sehen so Kultur und Moral einer Einwanderungsgesellschaft aus? Integration, Vielfalt, Fortschritt, Zivilcourage? Tote Hose.

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