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Kölner Missbrauchsgutachten : Vom Jäger zum Gejagten

Abenddämmerung? Der Kölner Dom im Gegenlicht. Bild: dpa

Die Münchner Anwälte wollen das Kölner Missbrauchsgutachten nun selbst veröffentlichen. Auf eigenes Risiko. Für Kardinal Woelki ist das riskant. Für andere noch mehr.

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          Bewegung im Stellungskampf? Die Verfasser des im Erzbistum Köln unter Verschluss gehaltenen Gutachtens über sexuellen Missbrauch in der Kirche bieten an, ihre Arbeit auf eigenes Risiko zu veröffentlichen. Ob Köln im Fall des Falles von allen äußerungsrechtlichen Haftungsrisiken freigestellt wäre, ist wie fast alles in den jüngsten Wirren eine Ermessensfrage.

          Die Münchner Gutachter sagen ja. Die Berater des Erzbistums werden nein sagen. Andernfalls wäre der Plan gescheitert, den Kardinal davon abzubringen, Fehlverhalten im Umgang mit Beschuldigten und Betroffenen ohne Ansehen der Personen öffentlich zu machen.

          Dass Woelki im Herbst 2018 dieses Ziel ins Auge fasste, ehrt ihn. Auch, dass er die Aufklärung schnell vorantrieb. Schon im März 2019 hatte er es erstmals schriftlich, dass es unter seinen Amtsvorgängern zu massiven Pflichtverletzungen gekommen war. Bis heute aber bringt er nicht die Führungsstärke auf, es dem Aachener Bischof Helmut Dieser gleichzutun und das dem Aachener Gutachten vergleichbare Dossier über Köln zu veröffentlichen.

          In Aachen ging es freilich immer nur um Personen, die längst nicht mehr im Amt sind. In Köln ging es immer um mehr – was Woelki von vorneherein hätte bedenken sollen. Mittlerweile hängt die Zukunft des heutigen Hamburger Erzbischofs Heße und des Kölner Weihbischofs Schwaderlapp an einem seidenen Faden. Der Kardinal ist darüber vom Jäger zum Gejagten geworden.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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