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Ivo Gönner im Gespräch über „Stuttgart 21“ : „Viele Schwaben glauben: Was groß ist, ist unnötig“

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Der Oberbürgermeister der Stadt Ulm, Ivo Gönner (SPD) Bild: dpa

Der Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner (SPD) betont im Gespräch mit der F.A.Z. die Bedeutung des Infrastrukturprojektes „Stuttgart 21“ auch für seine Stadt und warnt eindringlich vor einem Baustopp: Das würde uns um dreißig Jahre zurückwerfen.

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          Herr Oberbürgermeister, sehen Sie das Vorhaben, die Schnelltrasse von Wendlingen nach Ulm zu bauen, notwendigerweise als Bestandteil von „Stuttgart 21“?

          Beide Dinge, der Abschnitt Stuttgart Hauptbahnhof bis Wendlingen und der Abschnitt Wendlingen-Ulm gehören zwingend zusammen. Nach Prüfung Dutzender Möglichkeiten ist diese Variante planfestgestellt, durch Parlamente beschlossen, durch Gerichte überprüft worden. Es gehört auch zum Rechtsstaat, dass sich der Bauherr darauf verlassen kann. Ich höre immer wieder von „Stuttgart 21“-Kritikern, die sagen: Die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm, die sei ja völlig unbestritten – auch wenn es teurer wird. Aber der Witz ist doch: Wie komme ich von Wendlingen zum Stuttgarter Flughafen und wie von dort hinunter ins Neckartal? Die jetzige Variante hat sich da als die beste erwiesen. Alles andere sind philosophische Erwägungen von Gegnern, die nur so tun, als hätten sie eine Alternative. Diese wäre aber wahrscheinlich genauso teuer und genauso umstritten wie die jetzige Variante. Ein Baustopp würde nur bedeuten, dass wir um dreißig Jahre zurückgeworfen würden, einen weiteren schmerzenreichen Gang durch die Institutionen vor uns hätten und dass das Geld in Verkehrsprojekte anderer Bundesländer flösse.

          Wie stehen die Ulmer zu „Stuttgart 21“?

          Wir in Ulm und Umgebung haben immer gesagt, es sei zwingend notwendig, nach mehr als 150 Jahren eine neue, leistungsfähige Zugverbindung zwischen Ulm und Stuttgart zu schaffen. Der ursprüngliche Vorschlag war, die vorhandene Trasse über Geislingen, Göppingen, Plochingen auszubauen; das wurde aber verworfen, weil damit ein unvorstellbarer Eingriff in diese Städte verbunden gewesen wäre. Nein: Über das Projekt „Stuttgart 21“, das übrigens zu einer völligen Umgestaltung des Ulmer Bahnhofsareals führen wird, herrscht zum größten Teil Konsens in der Ulmer Bürgerschaft, Wirtschaft und Politik. Freilich marschieren die Grünen im Gemeinderat in einer Linie mit ihren Stuttgarter Parteifreunden, aber das betrifft eben nur den Teil Wendlingen bis Stuttgart Hauptbahnhof.

          Der grüne Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer ist einer der führenden Köpfe der Protestbewegung. Wie beurteilen Sie sein Verhalten?

          Das besondere Engagement des Kollegen resultiert ja noch aus seiner gescheiterten Kandidatur um das Oberbürgermeisteramt in Stuttgart. Ich finde es aber etwas ungewöhnlich, dass der Oberbürgermeister einer baden-württembergischen Stadt gewissermaßen versucht, dem Oberbürgermeister einer anderen baden-württembergischen Stadt, in diesem Fall Stuttgart, hineinzuregieren. Das ist unter Kollegen eher unüblich. Der Raum Tübingen-Reutlingen wird gerade im Regionalverkehr von „Stuttgart 21“ entscheidend profitieren, das sieht auch die Reutlinger Oberbürgermeisterin so. Insofern sollte auch Palmer die Interessen seiner Stadt im Blick haben.

          Wenn „Stuttgart 21“ nur zum Segen aller ist: Wie erklären Sie sich dann die Wucht der Proteste?

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