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Boris Palmer : Wer ernsthaft diskutieren will, muss anders formulieren

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer Bild: dpa

Boris Palmer ist kein Rassist. Aber mit Äußerungen wie denen über den früheren Fußballspieler Dennis Aogo stellt er seine Eignung für öffentliche Ämter zunehmend in Frage.

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          Boris Palmer ist kein Rassist. Aber er sollte sich nicht darüber wundern, dass seine Äußerung auf Facebook über den Fußballspieler Dennis Aogo als rassistisch verstanden wird. In ihrer Vulgarität ist sie viel zu nahe an jenen rassistischen und beleidigenden Sätzen, von denen die sozialen Medien überquellen, um von „jedem verständigen Leser“ sofort als Ironie erkannt zu werden (wie Palmer sich rechtfertigt). Was er gemacht hat, ist in etwa so, als hätte jemand in satirischer Absicht und um auf das Fehlverhalten anderer aufmerksam zu machen, weiteren Müll auf einen hässlichen Müllhaufen in einem öffentlichen Park geworfen. Wer dabei von der Ordnungspolizei erwischt würde, käme mit einer solchen Erklärung nicht weit.

          Wenn es Palmer wirklich um Meinungsfreiheit, Debattenklima und eine unverhältnismäßig harte öffentliche Reaktion auf verbale Fehltritte geht, dann muss er das so unmissverständlich formulieren, dass man darüber diskutieren kann. Die Fähigkeiten dazu besitzt er ohne jeden Zweifel. Mit seiner Lust an der gezielten Provokation und der darauf jedes Mal folgenden selbstgerechten Klage, er werde absichtsvoll missverstanden, ist Palmer aber selbst ein Symptom jenes Phänomens, das zu kritisieren er vorgibt. Mit jeder Aktion dieser Art stellt er seine Eignung für öffentliche Ämter mehr in Frage. Das ist bedauerlich, denn mit adäquaten Formulierungen hat Palmer in der grünen Partei und darüber hinaus schon sinnvolle Debatten angestoßen.

          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.

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