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Antisemitismus : Gemobbt, weil sie Juden sind

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Massive antiisraelische und judenfeindliche Äußerungen

Um diesem Klima der Angst und der Sprachlosigkeit etwas entgegenzusetzen, hat der Soziologe Martin Sehmisch von der Informationsstelle Antisemitismus Kassel die Ausstellung „Kein Sommermärchen – Israelbezogener Antisemitismus im Sommer 2014“ ins Leben gerufen. Sie dokumentiert, wie Tausende hessischer Demonstranten in Kassel, Gießen, Frankfurt am Main und anderen hessischen Städten ihren Hass auf Israel auf die Straße gebracht haben. Dabei kam es zu massiven antiisraelischen und judenfeindlichen Äußerungen. Die Ausstellung zeigt auch, was sich für viele Juden in Deutschland seitdem verändert hat.

Eine Jüdin berichtet, dieser Sommer habe ihr gezeigt, dass sie nicht auf das Wohlwollen der deutschen Bevölkerung bauen könne. Andere fühlen sich seitdem nicht mehr sicher und verbieten ihren Kindern das Tragen jüdischer Symbole. So viel Hass habe sie noch nie erlebt, sagt eine andere Frau, dieses Gefühl werde bleiben. Mit Zitaten, Fotos und Schautafeln dokumentiert Sehmisch, wie verbreitet dieser Antisemitismus ist – und dass er aus der Mitte der deutschen Gesellschaft kommt und keineswegs nur von muslimischen Migranten. Dokumentiert ist zum Beispiel die verbale Attacke eines linksradikalen Gewerkschaftsmitglieds, das dem Teilnehmer einer proisraelischen Demonstration mit Gewalt droht. Von antisemitischer Gewalt war auch ein jüdisches Mädchen an einer Kasseler Schule bedroht. Über zwanzig Monate hinweg hatte ein deutscher Mitschüler sie mehrmals am Tag belästigt. Er zeigte ihr den Hitlergruß, schickte ihr auf dem Handy ein Hitler-Bild und machte Witze über ihre jüdische Herkunft.

So haben die jüdischen Gemeinden sich mit rechtem, linkem und islamistisch motiviertem Antisemitismus herumzuschlagen, der bei Linksextremen und Islamisten oft als Antizionismus daherkommt. Doch die Statistik des Bundeskriminalamtes für politisch motivierte Kriminalität zählt nur Fälle von rechts, von links und die Ausländerkriminalität. In allen diesen Bereichen sind Hassverbrechen nach oben gegangen. Zwar sind die antisemitischen Straftaten laut den Fallzahlen von 2015 um knapp 15 Prozent zurückgegangen, doch das, nachdem sie zuvor deutlich angestiegen waren: nämlich im Jahr 2014.

Stärkere Hilfsangebote für Lehrer

Die Instrumente und die Interpretationen der Polizei sind dabei oft ungenau. So ordnete das Landeskriminalamt etwa den Angriff mehrerer Männer auf einen Israeli in Berlin-Kreuzberg im April 2014 dem Themenbereich „Israel-Palästinenser-Konflikt“ zu; dabei war das Opfer ausdrücklich als Jude beschimpft worden. Es seien keine antisemitischen Äußerungen getätigt worden, teilte das Landeskriminalamt mit. Abgeordnete von Grünen und Linken und auch die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin fordern daher, Deutschland solle sich an der Arbeitsdefinition von Antisemitismus orientieren, die von den 31 Mitgliedstaaten der International Holocaust Remembrance Alliance verabschiedet wurde. Dort werden auch Formen von Antisemitismus berücksichtigt, die im Gewand von Verschwörungstheorien und vorgeschobener Israel-Kritik daherkommen.

Die Probleme jüdischer Schüler an deutschen Schulen löst das aber noch nicht. Wie weitreichend und vielfältig die sind, zeigt sich sogar an Fällen, in denen gar kein Kind direkt angegriffen wird. In der mecklenburgischen Stadt Neustrelitz wollte ein Förderschullehrer seine Klasse nicht durch eine Anne-Frank-Ausstellung führen, weil er befürchtete, seine – deutschen – Schüler könnten vor der Presse durch Pöbeleien auffallen oder die Ausstellung beschädigen. Ebenso scheuen sich manche Lehrer an Schulen mit vielen türkisch- oder arabischstämmigen Jugendlichen, Themen wie den Nahost-Konflikt oder den Holocaust auch nur anzusprechen. Präventionsfachleute fordern schon seit langem, dass immer dann, wenn Lehrer an ideologische Grenzen stoßen, Hilfsangebote hinzugezogen werden müssten. Das garantiert den Schulen zwar Ärger mit Eltern und kann ihnen zudem noch ungewollte mediale Aufmerksamkeit bescheren. Anders aber lässt sich der Kampf um Aufklärung in deutschen Klassenzimmern wohl nicht gewinnen.

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