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Kramp-Karrenbauer kommt : Zumutung oder Chance für die Bundeswehr?

  • -Aktualisiert am

Im Verteidigungsministerium wird bald Annegret Kramp-Karrenbauer einziehen Bild: dpa

An die Spitze der Streitkräfte tritt eine Frau, die in den vergangenen Monaten Schneid bewiesen hat, die zu überraschenden Attacken ebenso in der Lage ist wie zum beharrlichem Verfolgen ihrer Ziele.

          An die Spitze der Bundeswehr tritt nun Annegret Kramp-Karrenbauer. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte werden die Streitkräfte von der Vorsitzenden der großen Regierungspartei geführt, die nach derzeitigem Stand, auch in näherer Zukunft die politischen Geschicke des Landes mit prägen wird. Eine Wahrscheinlichkeit besteht, dass zum zweiten Mal in der bundesdeutschen Geschichte jemand Bundeskanzler wird, der zuvor das Verteidigungsressort geführt hat. Der Erste, dem das gelungen ist, war Helmut Schmidt, ein Sozialdemokrat.

          Anders als Schmidt, der als junger Offizier die Schrecken des Weltkriegs erlebt hatte, fehlt Kramp-Karrenbauer militärische Vorbildung. Das beklagen in der Opposition nun ausgerechnet jene so genannten Verteidigungsexperten, deren militärische Grundausbildung bis vor wenigen Monaten in kommunalpolitischen Grabenkämpfen bestanden hat. Ist die Entscheidung eine „Zumutung für die Truppe und die Nato-Verbündeten“, wie der Oppositionspolitiker Alexander Graf Lambsdorff von der FDP das formulierte und hat die Bundeswehr „das nicht verdient“, wie SPD-Mann Johannes Kahrs gleich protestierte?

          Wohl kaum. Im Gegenteil: An die Spitze der Streitkräfte tritt eine Frau, die in den vergangenen Monaten Schneid bewiesen hat, die zu überraschenden Attacken ebenso in der Lage ist, wie zum beharrlichem Verfolgen ihrer Ziele. Die künftige Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt hat als CDU-Vorsitzende ihr Handeln sich verändernden Gegebenheiten angepasst, um das Ziel – die Kanzlerschaft – zu erreichen. Würde es dahin kommen, hätte das Land eine dann militärisch-fachlich und sicherheitspolitisch bestens informierte Regierungschefin, keine schlechte Perspektive.

          In der Bundeswehr nennt man das „Auftragstaktik“ und hält es für eine traditionswürdige soldatische Grundtugend. Die Streitkräfte können in den Monaten oder auch länger die neue Ministerin bei ihren schwierigen Aufgaben loyal begleiten. Kramp-Karrenbauer kann die Bundeswehr intensiv als das kennenlernen, was sie weit überwiegend ausmacht: Eine Streitkraft der Demokratie und des Parlaments, in der hoch motivierte, überragend ausgebildete und hoffentlich bald besser ausgerüstete Soldaten und Offiziere einen anspruchsvollen, zuweilen gefährlichen Dienst versehen. Das soll eine Zumutung sein?

          Außerdem, was das Geld angeht: Wie wahrscheinlich ist es, dass sich eine CDU-Vorsitzende als Verteidigungsministerin vom sozialdemokratischen Finanzminister den Etat kürzen lässt, wie der es bislang plant? Abgesehen davon: Kramp-Karrenbauer kann Erfahrungen in der Bundeswehr sammeln, die Möglichkeiten, Belange und Nöte der Truppe besser kennenlernen und auf internationaler sicherheitspolitischer Bühne Erfahrungen sammeln, die ihre bisherigen Qualifikationen ergänzen. Deshalb ist eine deutsche Verteidigungsministerin, die zugleich CDU-Vorsitzende und möglicherweise irgendwann Regierungschefin ist, für die Bundeswehr keineswegs eine Zumutung, sondern Auszeichnung und große Chance.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

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