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Rivlin im Bundestag : „Die Verantwortung ist enorm“

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Israels Präsident Reuven Rivlin spricht am Mittwoch im Deutschen Bundestag. Bild: Matthias Lüdecke

Israels Präsident bezeichnet Deutschland als „Leuchtturm“ für den Schutz liberaler Werte. 75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz gelte es, Europa gegen Nationalismus, Fremdenhass und Antisemitismus zu verteidigen.

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          In seiner Rede vor dem Bundestag hat Israels Präsident Reuven Rivlin die Europäische Union zur Verteidigung ihrer Grundwerte aufgerufen. Europa werde heute von den Geistern der Vergangenheit heimgesucht, sagte Rivlin in der Gedenkstunde des Parlaments für die Opfer des Holocaust am Mittwoch in Berlin. Nationalismus, Fremdenhass und Antisemitismus schwebten über ganz Europa, sagte er.

          Rivlin sagte, der Kontinent sei nicht in den 1930er Jahren und damit nicht an der Schwelle einer neuer Shoah. Dennoch dürfe es nicht übergangen werden. Deutschland habe dabei eine besondere Verantwortung, sagte der israelische Präsident. Dasselbe Land, das durch den Nationalsozialismus zum Schrecken der Welt geworden sei, sei heute ein „Leuchtturm“ für den Schutz liberaler Werte.

          Wenn Juden dort heute nicht frei leben könnten, könnten sie es auch nicht woanders auf der Welt, sagte der Präsident. „Die Verantwortung, die auf Deutschlands Schultern lastet, ist enorm“, mahnte er.

          Steinmeier: „Diese Prüfung müssen wir bestehen“

          Rivlin übte in seiner Rede auch scharfe Kritik an Iran. Das dortige Regime sei ein Risiko für den Weltfrieden, sagte er. Iran müsse von der Staatengemeinschaft isoliert werden, forderte der Präsident. Zudem begrüßte Rivlin den Nahost-Friedensplan des amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Er könne den Gesprächskanal mit den Palästinensern wieder öffnen, sagte Rivlin.

          Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier warnte in der Gedenkstunde des Parlaments vor der Rückkehr autoritären Denkens in Deutschland und rief zum entschiedenen Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus auf. „Erheben wir uns gegen den alten Ungeist in der neuen Zeit“, sagte Steinmeier. „Wir dachten, der alte Ungeist würde mit der Zeit vergehen. Aber nein: Die bösen Geister der Vergangenheit zeigen sich heute in neuem Gewand“, warnte Steinmeier. Sie präsentierten ihr völkisches, ihr autoritäres Denken als Vision, als die bessere Antwort auf die offenen Fragen unserer Zeit. „Ich fürchte, darauf waren wir nicht vorbereitet – aber genau daran prüft uns unsere Zeit. Und diese Prüfung müssen wir bestehen. Das sind wir der Verantwortung vor der Geschichte, den Opfern und auch den Überlebenden schuldig!“

          Der Bundestag erinnert jedes Jahr in einer Gedenkstunde an die Opfer des Nationalsozialismus. Allein im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz im von der Wehrmacht besetzten Polen ermordete die SS mindestens 1,1 Millionen Menschen, zumeist Juden. Die wenigen Überlebenden wurden vor 75 Jahren, am 27. Januar 1945, von Soldaten der Roten Armee befreit. In ganz Europa fielen dem Holocaust rund sechs Millionen Juden zum Opfer. Im von Nazi-Deutschland begonnenen Zweiten Weltkrieg starben mindestens 55 Millionen Menschen.

          Steinmeier warnte davor, das Erinnern zu einem Ritual erstarren zu lassen. Und er forderte, neue Formen des Gedenkens zu finden – „für eine junge Generation, die fragt, was die Vergangenheit mit ihnen und ihrem Leben heute zu tun hat“. Es werde auch neue Antworten geben müssen für junge Deutsche, deren Eltern und Großeltern aus anderen Ländern hierher gekommen seien. „Ihr habt Eure Geschichte, wir haben unsere“, das darf keine Antwort sein. Nein, die Lehren aus unserer Geschichte können und müssen zum Selbstverständnis aller Deutschen gehören - denn Verantwortung im Hier und Heute, die tragen wir alle.“

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