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Islamwissenschaftler fordert : Ein Dachverband für liberale Muslime muss her

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Der Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi in Köln Bild: INTERTOPICS/Horst Galuschka

Um den Islam zu reformieren, brauche es einen liberalen Dachverband, sagt Islamwissenschaftler Abdel Hakim Ourghi. Er fordert, den schweigenden Muslimen eine Stimme zu geben.

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          Der Freiburger Islamwissenschaftler Abdel Hakim Ourghi fordert den deutschen Staat auf, mehr Einfluss auf die Entwicklung des Islam in Deutschland zu nehmen. Der Staat könne bei der Gründung von Interessenvertretungen der in Deutschland lebenden Muslime eine aktive Rolle übernehmen, sagte Ourghi am Dienstagabend in Berlin bei einer Podiumsdiskussion über „Religion und Politik“ in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Notwendig sei ein Dachverband als Ansprechpartner, der die Interessen der Muslime hierzulande vertritt und nicht wie bisher die vielen konservativen Dachverbände zumeist die Interessen der jeweiligen Herkunftsländer.

          „Wir müssen über den Islam in Deutschland und Europa reden“, sagte Ourghi: „Wir Muslime in Deutschland müssen den Islam reformieren.“ Bis heute regiere „der Prophet“ die Muslime „aus dem Grab heraus“, obwohl er schon seit 632 tot sei, sagte der Theologe und Religionspädagoge, der jüngst 40 Thesen zur Reform des Islams veröffentlichte. Gebraucht werde eine innerislamische Bildungsrevolution, ein humanistischer Islam. Nach Einschätzung von Ourghi gibt es in Deutschland eine schweigende Mehrheit liberaler Muslime, denen bislang eine Stimme fehle und die durch die konservativen Dachverbände übertönt werden.

          Der Bremer Professor für Wirtschaftsarabistik Alexander Flores, warnte allerdings, die Säkularisierung der westlichen Gesellschaften als Maßstab zu nehmen. „Davor sollten wir uns hüten“, sagte der Autor des Buches „Zivilisation oder Barbarei? Der Islam im historischen Kontext“. Die Säkularisierung habe zwar auch den Islam längst erfasst, zugleich sei Religion aber für viele Muslime zum Politikersatz geworden. Sie biete die Möglichkeit, sich gegen Marginalisierung und Entrechtung zu wehren, sagte Flores.

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