https://www.faz.net/-gpf-16g9k

Islamkonferenz : „Raus auf die Straße und in die Moscheen“

  • Aktualisiert am

Familienministerin Schröder (CDU) im Gespräch mit der Religionswissenschaftlerin Tuba Isik-Yigit vor Beginn der zweiten Deutschen Islamkonferenz Bild: dpa

Die zweite Deutsche Islamkonferenz hat ihre Arbeit aufgenommen. Beschlossen wurden zunächst Projekte, die das Gesprächsforum laut Bundesinnenminister „raus auf die Straße und in die Moscheen“ bringen sollen. Die SPD unterstellt de Maizière, ein „Scheitern in Kauf nehmen“ zu wollen.

          Die zweite Deutsche Islamkonferenz hat am Montag ihre Arbeit aufgenommen. Nach der konstituierenden Sitzung sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), die Zugehörigkeit der Muslime als Bürger solle gestärkt werden. Die Konferenz wolle dazu beitragen, dass aus Andersartigkeit kein Problem entstehe. An der vierstündigen Zusammenkunft nahmen sechs islamische Verbände, muslimische Einzelpersonen sowie Vertreter von Bund, Ländern und Kommunen teil. Die nächste Plenarsitzung soll Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres stattfinden.

          Islamkonferenz soll „praktischer“ werden

          De Maizière kündigte an, die Islamkonferenz künftig „praktischer“ zu gestalten. Nach der ersten Phase des Dialogs werde man die Gesprächsrunde künftig „raus auf die Straße, in die Schulen, in die Moscheen und an die Küchentische“ bringen. Dazu sollten die vier beschlossenen Projekte dienen: Es sollen ein Modellkonzept für die landeskundliche Fortbildung von Imamen sowie ein bundesweites Modellprojekt für islamischen Religionsunterricht entwickelt werden.

          Daneben will die Islamkonferenz eine Studie zur Geschlechterungleichheit in Auftrag geben und ein Glossar erstellen, das unter anderem Begriffe wie Islam und Islamismus definiert. De Maizière kündigte außerdem an, dass der Internetauftritt der DIK außer auf deutsch und türkisch künftig auch auf arabisch und englisch präsentiert werden soll. Das Innenministerium will auch einen Preis für gelungene Integrationsprojekte ausloben.

          Zwei muslimische Dachverbände nicht vertreten

          Zwei wichtige muslimische Dachverbände nahmen an der Konferenz nicht teil. De Maizière hatte den Islamrat suspendiert, weil gegen dessen größten Mitgliedsverband Milli Görüs ermittelt wird. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hatte seine Teilnahme abgesagt, weil er sowohl die personelle Zusammensetzung als auch die Themensetzung kritisiert hatte.

          Der Bundesinnenminister betonte, dass die Islamkonferenz keine Vertretung der Muslime und auch kein Religionsseminar sei, sondern eine Dialogplattform. Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin Laschet (CDU) sagte, die Defizite bei der Integration hätten zunächst nichts mit der Religion zu tun. Das müsse getrennt betrachtet werden.

          Forderungen der Muslime

          Von muslimischer Seite wurde am Montag vor allem sprachliche Differenzierung gefordert. Auch die Einrichtung islamisch-theologischer Lehrstühle könne die Sprachfähigkeit verbessern, sagte Ali Dere von Ditib.

          Die iranische Theologin Hamideh Mohagheghi, die als unabhängige Muslimin an der Islamkonferenz teilnimmt, warnte davor, soziale Probleme entweder religiös zu überfrachten oder zu behaupten, sie hätten nichts mit der Religion zu tun. Es müsse ein Mittelweg gefunden werden.

          Wowereit: „Dilettantische Vorbereitung“

          Vor Beginn der Konferenz, an der 30 staatliche und muslimische Vertreter teilnahmen, hatte der stellvertretende SPD-Vorsitzende und Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, die Vorbereitung des Treffens kritisiert: „Zu viele handwerkliche Fehler im Vorfeld und eine dilettantische Vorbereitung erwecken den Eindruck, dass de Maizière bereit ist, ein Scheitern in Kauf zu nehmen.“

          Auch bei dem „unwürdigen wochenlangen Gezeter“ um die Teilnahme des Zentralrats der Muslime habe sich der Innenminister nicht als Brückenbauer gezeigt. „Er hat unnötig Vertrauen verspielt“, sagte Wowereit.

          Die Islamkonferenz war 2006 vom damaligen Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) einberufen worden, um die Integration der in Deutschland lebenden Muslime zu verbessern. In Deutschland leben rund vier Millionen Muslime, etwa die Hälfte von ihnen hat einen deutschen Pass.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Charismatisch und skrupellos : Was will Boris Johnson?

          Er ist Held der englischen Nationalisten und Favorit für den Vorsitz der Konservativen. Einen echten Plan für den Brexit hat der begabte Scharlatan noch immer nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.