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Islamismus : König-Fahd-Akademie verherrlicht Kampf gegen „Ungläubige“

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Neben dem unbedingten Gehorsam gegenüber Allah, gegenüber religiösen Lehrern und den Eltern wird dem Schüler in den Religionsbüchern das Einhalten der Gebote nahegelegt - andernfalls drohten „quälende Strafen im Diesseits“. In einem Memorier-Text für die erste Klasse heißt es: „Entweder wird er getötet oder körperlich gezüchtigt oder ins Gefängnis geworfen“ Im Jenseits erwarte ihn „Vernichtung“. Ein Schüler der siebten Klasse lernt aus dem Lesebuch, daß Allah denen, „denen es vergönnt ist, auf dem Weg Gottes zu sterben, (...) ein Leben im Paradies schenken (wird). (...) Und sie (die Kämpfer) werden auch glücklich sein, dort zu erfahren, was Allah für die noch lebenden Mudschaheddin an Belohnungen und Verzeihungen bereithält.“

Aufforderung zum Sterben

Wie eine Aufforderung zum Sterben im bewaffneten Kampf lassen sich die Sätze verstehen, die Schüler in der Klasse sechs unter der Überschrift „Sei mutig!“ auswendig lernen sollen: „Das Streben nach Höherem und der Wunsch nach Verwirklichung ihrer Hoffnungen sucht die Seelen vieler junger Menschen zu erfassen. Dieses Streben beschäftigt ihr Denken. Sei nicht zufrieden mit dem Geringen. (...) Denn der Geschmack des Todes in einer armseligen Angelegenheit ist nicht anders als in einer großartigen Sache.“

Bisher waren die deutschen Behörden der Ansicht, daß die Schließung der Schule rechtlich nicht möglich sei. Mit der Kenntnis der Schulbuchtexte könnte sich das ändern. Nach dem nordrhein-westfälischen Schulordnungsgesetz, Paragraph 45, kann eine ausländischen Schule geschlossen werden, wenn „Träger, Leiter oder Lehrer den Anforderungen nicht entsprechen, die aufgrund von Gesetzen vorgeschrieben oder zum Schutz der Schüler oder der Allgemeinheit an sie zu stellen sind“.

Gesetzesänderung geplant

Wegen der Fahd-Akademie wird nun das Gesetz geändert. Künftig soll die Schulpflicht nur noch an einer deutschen oder an einer anerkannten ausländischen Schulen erfüllt werden können, an der das Internationale Baccalaureat oder ein Abschluß eines EU-Staates erworben werden kann sowie ausreichend Deutsch unterrichtet wird. Ausnahmen sollen nur für Diplomatenkinder sowie für solche Familien gelten, die sich nur vorübergehend in Deutschland aufhalten - also nicht mehr für Migranten.

Bildungsministerin Ute Schäfer hofft jetzt, daß die Kenntnis der Schulbuchinhalte neue Argumente für die Prozesse mit den Eltern liefert. Die meisten von ihnen kämpfen mit großer Energie darum, daß ihre Kinder an der Fahd-Akademie bleiben können. Dreihundert kamen vor zwölf Tagen zu einer Demonstration in die Bonner Innenstadt. Viele haben gegen die Rücknahme der Ausnahmegenehmigungen geklagt, häufig mit Erfolg.

Fragwürdige Rückkehrabsicht

Etwa zwei Drittel der 445 Jungen und Mädchen, die im Dezember 2003 zur Fahd-Akademie gingen haben die deutsche Staatsbürgerschaft. Bei ihnen sei die Rückkehrabsicht der Familie besonders fragwürdig, argumentieren die Schulbehörden. „Das private Interesse“ daran, daß ihr Sohn an der Fahd-Akademie bleibe, stehe „hinter dem Interesse der Allgemeinheit an einer sozialen Integration“ durch den Besuch einer deutschen Schule zurück, schrieb jetzt die rheinland-pfälzische Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Koblenz der Familie Ola in Remagen.

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