https://www.faz.net/-gpf-ox11

Islamismus : König-Fahd-Akademie verherrlicht Kampf gegen „Ungläubige“

  • -Aktualisiert am

Roters berief eine „Pädagogische Konferenz“ aus deutschen und saudischen Lehrern ein, die sich über Lerninhalte und Erziehungsziele austauschen sollen. Es wurden gegenseitige Hospitationen im Unterricht vereinbart; den saudischen Lehrern soll hiesiges Material für den Deutschunterricht überlassen werden - gedacht als eine Art „Trojanisches Pferd“ für die Vermittlung westlicher Werte. Außerdem gründete Roters ein „Deutsch-saudisches Komitee“ aus Mitgliedern der saudischen Botschaft, des Regierungspräsidiums, des nordrhein-westfälischen Bildungsministeriums, der Schulleitung und des Schulamts der Stadt Bonn, das sich einmal im Quartal trifft.

Bisher wurde vereinbart, daß in der Moschee der Schule außer dem Freitagsgebet keine Veranstaltungen mehr für die Allgemeinheit stattfinden dürfen. Denn der Gebetsraum hatte sich zu einem Gemeindezentrum für die Muslime der Umgebung entwickelt. Islamfachleute werden künftig im Auftrag des Regierungspräsidenten stichprobenartig die Freitagsgebete besuchen, um den Inhalt der Predigten zu prüfen. Noch Ende letzten Jahres war vereinbart worden, daß die Schulbücher der Akademie vom Landesinstitut für Schule und Weiterbildung in Soest untersucht werden.

Fundamentalistische Weltsicht?

Für das Gutachten, das noch unter Verschluß gehalten wird, wurden 22 von 60 in Frage kommenden Bücher übersetzt. In ihm soll die schwierige Frage beantwortet werden, ob an der Schule eine fundamentalistische Weltsicht gelehrt wird, die terroristischen Aktionen den Boden bereitet. Die Übersetzungen liegen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Auszügen vor.

Ein Lesebuch für die sechste Klasse entfaltet eine besorgniserregende antiwestliche und antijüdische Geschichtssicht. Unter einer Landkarte Saudi-Arabiens und des Mittelmeerraums heißt es: „Das ist deine islamische Gemeinschaft (...), die eine glorreiche Geschichte hat, angefüllt mit Dschihad, wohlriechend von Opfern, voll von Triumph über einen Zeitraum von mehr als 1400 Jahren. Einstmals versuchten die Kreuzfahrer, die islamische Gemeinschaft von ihrer Religion loszureißen. Aber sie waren nicht erfolgreich. Neuerdings versucht der Westen, einige ihrer Söhne mit allen Mitteln loszureißen. Die Welt hat von der Zivilisation und Kultur der islamischen Gemeinschaft viel empfangen, aber die haßerfüllten Kreuzzüge, die sich auf die Hinterhältigkeit der Juden und auf deren Verrat gestützt haben, haben auf die Zerreißung der islamischen Gemeinschaft hingearbeitet.“

Christen und Juden als Feinde

In diesem Text wird eine Jahrhunderte fortdauernde Bedrohung der muslimischen Länder durch „den Westen“ unterstellt. Als Feinde gelten Christen und Juden gleichermaßen, der Kampf gegen sie wird verherrlicht („wohlriechend von Opfern“). Von Toleranz gegenüber Andersgläubigen als Erziehungsziel kann in diesem wie in anderen Texten keine Rede sein. In einem Religionsbuch für die erste Klasse fordert eine didaktische Anweisung die Lehrer dazu auf, „zu verdeutlichen, daß außer dem Islam keine Religion wahr ist, etwa das Judentum oder die Nazarenerreligion“.

Weitere Themen

Xi betont unerschütterliche Freundschaft Video-Seite öffnen

Besuch in Nordkorea : Xi betont unerschütterliche Freundschaft

Chinas Präsident Xi Jinping ist der erste chinesische Staatschef seit 14 Jahren, der dem international weitgehend isolierten Nachbarland einen Besuch abstattet. China könnte eine wichtige Rolle im Streit um Nordkoreas Atomprogramm sein, rief die nordkoreanische Regierung aber auch dazu auf, das Gespräch mit den Vereinigten Staaten zu suchen.

EU will bis 2050 klimaneutral werden Video-Seite öffnen

Gipfeltreffen in Brüssel : EU will bis 2050 klimaneutral werden

Im Kampf gegen den Klimawandel will sich der EU-Gipfel auf das Ziel festlegen, bis zum Jahr 2050 Treibhausgasneutralität zu erreichen. Im letzten Entwurf für das Treffen der Staats- und Regierungschefs ist der Termin erstmals genannt.

Topmeldungen

Zum Tod von Philippe Zdar : Die Asche französischer Flaggen

Er hat die französische Popmusik revolutioniert und Phoenix, die Beastie Boys und Franz Ferdinand produziert. Jetzt ist er bei einem Fenstersturz ums Leben gekommen. Zum Tod von Philippe Cerboneschi, den sie „Zdar“ nannten.
Nicht zu stoppen: Boris Johnson

May-Nachfolge : Johnson auch in vierter Auswahlrunde klar vorn

Boris Johnson hat auch die vorletzte Auswahlrunde bei den britischen Konservativen gewonnen. Innenminister Sajid Javid schied aus. Noch heute folgt die letzte Abstimmung bei den Tory-Abgeordneten.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.