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Islamismus im Netz : „Sie spielen mit den Ängsten der Jugendlichen“

  • -Aktualisiert am

Jugendliche müssen für islamistische Propaganda sensibilisiert werden, damit sie ihnen nicht auf den Leim gehen. Verherrlichung des militanten Dschihad ist einfacher zu erkennen. Bei unterschwelliger islamistischer Propaganda, ist es schon schwieriger. Aber auch hier können Jugendliche lernen, die dahinterliegende extremistische Ideologie zu erkennen. Wir von „jugendschutz.net“ unterstützen dabei,  die Köder zu enttarnen, in dem wir unsere Erkenntnisse darüber, wo und wie Jugendliche mit islamistischer Propaganda konfrontiert werden, der Praxis zugänglich machen.

Woher wissen Sie, ob es sich um Propaganda der Islamisten handelt?

Wir betreiben ein kontinuierliches Monitoring und kennen dadurch die Akteure wie verschiedene salafistische Gruppierungen, die immer wieder so etwas posten. Auch der Inhalt der Posts wiederholt sich. Wir kennen auch die Narrative der Propaganda und versuchen die Köderstrategien und Manipulationstaktiken zu enttarnen.

Wie gut funktioniert die Zusammenarbeit mit Facebook oder YouTube wirklich? Wird alles gelöscht, wenn „jugendschutz.net“ darauf drängt?

Wir werden tätig, wenn wir Inhalte feststellen, die Kinder und Jugendliche gefährden können. Beiträge, die zum militanten Dschihad aufrufen oder die Menschenwürde verletzen, verstoßen gegen Jugendschutzbestimmungen und dürfen im Internet nicht verbreitet werden. Trifft das also auf ein Video oder ein Bild zu, melden wir den Beitrag an Facebook und YouTube über einen direkten Kontakt. In der Regel führt das dazu, dass Inhalte schnell gelöscht oder zumindest für Deutschland gesperrt werden.

Wie sieht islamistische Propaganda konkret aus?

Islamisten versuchen, ein Bedrohungsszenario zu entwerfen und mit den Ängsten der Jugendlichen zu spielen. Dazu manipulieren sie bewusst den Kontext zum Beispiel von Bildern und Videos und nutzen extreme Polarisierungen wie "Wir" gegen "Die", "Gut" gegen "Böse", "Himmel" und "Hölle". Neben Verhaltensweisen, die entweder in die Hölle oder ins Paradies führen, wird auch eine "ungläubige", feindliche Umwelt konstruiert. Als Lösung dagegen empfehlen sich die Islamisten dann selbst:  eine vermeintlich starke, wehrhafte Gemeinschaft, in der Brüderlichkeit ganz wichtig ist. Dadurch werden insbesondere die emotionalen Bedürfnisse der Jugendlichen bedient. Dazu gehört auch das Rebellische, der Protest gegen Eltern und Gesellschaft. Als ultimative Form des Protests und Heilsversprechen wird der militante Dschihad im Internet propagiert.

Ein Twitter-Screenshot: Kinder werden von Dschihadisten als Henker in Szene gesetzt.

Immer wieder ist die Rede davon, dass sich ein Attentäter im Internet selbst radikalisiert hat. Reicht die Internet-Propaganda von Islamisten aus, um einen Menschen zum Terroristen zu machen?

Wie wir aus der Forschung wissen, spielt das Internet bei individuellen Radikalisierungsbiographien mal eine größere, mal eine geringere Rolle. In der Regel kommen weitere Faktoren hinzu, wie eine persönliche Krise: Trennung von der Freundin, Tod eines Familienangehörigen oder Scheidung der Eltern. Aber trotzdem ist für die Verbreitung dschihadistischer Propaganda das Internet natürlich das wesentliche Medium.

„jugenschutz.net“ sucht Inhalte und sorgt dafür, dass sie gelöscht werden. Aber die Islamisten posten wohl immer weiter. Kämpfen Sie da nicht ein Stück weit auf verlorenem Posten?

Jedes gelöschte Gewaltvideo, jeder Beitrag, der zum militanten Dschihad aufruft, zu Hass gegen "Ungläubige" oder eine andere Gruppe anstachelt, ist ein Erfolg. Aber natürlich weichen die meisten Islamisten dann auf andere Plattformen aus, wo sie ungestörter hetzen können. Der Messenger-Dienst Telegram löscht zum Beispiel sehr schlecht. Da muss viel mehr getan werden, damit sich Islamisten keine sicheren Häfen im Netz aufbauen, von denen sie ungehindert ihre Hasspropaganda verbreiten können. Wichtig ist, dass Anbieter unzulässige Inhalte schnell löschen und dadurch verhindern, dass Kinder und Jugendliche weder gefährdet noch beeinträchtigt werden.

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